Heisse Luft statt Killerspiele

Vor ein paar Tagen schrieb ich meine Meinung zur geplanten „Verschrottet-die-Killerspiele“-Aktion des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden. Die Aktion schlug ein wie eine Bombe, wie folgende Bilder zeigen.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=kR8FMLw5IR4

(Quelle)

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Müllpresse

Das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ plant eine total schwachsinnige spektakuläre Aktion. Bei der netzeitung steht heute:

Computer- und Videospiele, «die das Töten von Menschen simulieren», sollen am Samstag in Stuttgart in einem Container entsorgt werden. Das plant das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden und stößt damit auf Kritik.

Ich weiß ja nicht, ob die Mitglieder dieses Aktionsbündnisses schon vor dem Amoklauf total bescheuert waren, oder ob erst die Ereignisse Geistesstörungen ausgelöst haben. Aber eine Populismusbombe diesen Kalibers muss man erstmal zünden (wollen), traumatische Erfahrung hin oder her.

Warum werden denn nicht gleich Spieler und Spieleentwickler zusammengetrieben und vorsorglich gepresst/geschreddert/verbrannt? DAS wäre doch mal was. Dann könnte der Mob sich mal so richtig austoben und lynchen was das Zeug hält.

Wenn wir schon beim Thema „gewalttätige Spiele“ sind. Nicht nur in Shootern geht´s ordentlich zur Sache. So, liebes Schwachmaten- Aktionsbündnis, hergeguckt:

httpvh://www.youtube.com/watch?v=Tysf_doaPlo

(Quelle)

Nach diesem Exkurs in die Welt von Bloodrayne wieder zurück zum Artikel.

Jugendliche und Eltern, die bei der Aktion mitmachen, können nach Angaben der Veranstalter nach dem Einwurf eines entsprechenden Spiels aus einer bereitgestellten Lostrommel ein Los ziehen, das möglicherweise den Gewinn eines Trikots der deutschen Fussball-Nationalmannschaft mit Unterschriften des aktuellen Kaders zur Folge hat.

Hallooooo? Hat noch jemand außer mir gerade das Gefühl, dass den Initiatoren dieses Schwachsinns mehr als nur eine Tasse im Schrank fehlt? Ab wann gilt denn ein Spiel nach Meinung der Irren als ausreichend gewalthaltig, um an der Verlosung teilnehmen zu können? Gilt „Die Sims 2“ auch, weil man dort auf sehr einfallsreiche Weise seine Figuren um die Ecke bringen kann? Abgesehen davon halte ich (sorry, Dennis) die Fixierung auf einen Sport wie Fussball vonseiten vieler Jugendlicher für wesentlich gefährlicher als das Spielen von Shootern.

Hier noch ein Clip. Ist zwar ein blödes Spiel, aber der Blutgehalt ist enorm. Hallo Aktionsbündnis, damit es nicht immer nur um „Counter Strike“ geht:

httpvh://www.youtube.com/watch?v=_gFhAMTyGG0

(Quelle)

Und noch eins: „Soldier of Fortune 3 – Payback“. Spielerisch absolute Grütze, aber durch den extrem übertriebenen Gewaltgrad für jeden Killerspiel-Gegner wahrscheinlich die Hölle.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=fWMXjU0xF4s

(Quelle)

So, liebes Aktionsbündnis, ich hoffe, ich haben ihnen einige neue Anregungen und Feindbilder präsentieren können. War mir ein Vergnügen. Somit muss es in Zukunft nicht immer nur „Counter Strike“ sein, wenn völlig hirnlos über Killerspiele hergezogen wird, statt sich beispielsweise um das Mobbing in der Schule oder den Dreck vor der eigenen Tür zu kümmern.

Absurdistan

„War da nicht letztens was in Winnenden? Hat da nicht irgendwer irgendwen ermordet? Hat der nicht auch einen Computer besessen, auf dem Counter-Strike lief? Dann verbieten wir doch mal schnell die Intel Friday Game Night, nicht, dass da noch was passiert!“ So oder ähnlich könnten die Herren und Damen im Bürgermeisteramt Nürnbergs gedacht haben, als sie die Entscheidung fällten, die für den 29. Mai angesetzte iFGN wegen allgemeiner Dummheit aus politischen Gründen kurzerhand zu verbieten.

Bei readmore.de heisst es dazu:

„Auf eine Anfrage hin verwies ein Sprecher direkt auf die Gräueltaten von Winnenden vor einigen Monaten. Aufgrund dieser Ereignisse, bei denen auch vermehrt Computer-Spiele als angeblicher Auslöser in den Mittelpunkt rückten, sei ein solches Event in Nürnberg derzeit nicht denkbar.“

So, nochmal zum Mitschreiben: In Winnenden wurde niemand durch, wegen oder mithilfe eines Computerspiels getötet. Vielmehr war ein psychisch gestörter junger Mensch, dem das Schiessen in einem Schützenverein beigebracht wurde und der in seinem Elternhaus Zugang zu einer legalen Schusswaffe hatte, für die Tat verantwortlich. Dass der Täter in seiner Freizeit Ego-Shooter gespielt hat, ist sowohl für das jugendliche Alter völlig normal, als auch als Quelle der Aggression, des Schießtalents, des Zugangs zu Waffen und der letzlichen Tatausführung auszuschließen. Mir ist darüber hinaus kein Spiel bekannt, in dem es das Ziel ist, nach begangener Tat Selbstmord zu begehen, aber das nur am Rande.

Die Argumentation, dass sich Gewaltdarstellungen in Medien (insbesondere in Spielen) negativ auf die Psyche der Konsumenten auswirkt, wird gern ins Feld geführt, ohne dass dafür aber irgend welche Beweise existierten. Der Boxsport gilt auch nicht als Keimzelle für gewalttätige Schläger, oder? Nein, in diesem Falle wird Boxen sogar oft als Resozialisierungsmaßnahme für straffällige Jugendliche genutzt. Gewalt als Therapie? Scheint ja beim Boxen in Ordnung zu sein, zumal man dort tatsächlich und direkt physische Gewalt ausübt. Jaja, das ist doch aber Sport, denken Sie jetzt vielleicht. Sehe ich nicht so. Beim Boxen, zumindest im Schwergewicht, gewinnt derjenige Schläger Sportler, der seinem Gegner den meisten physischen Schaden zufügt, damit er als erster zu Boden geht. Auf virtuelle Pixelfiguren schießen macht also aus Jugendlichen gefühlskalte Killer, wenn sich die deutsche B-Promi-Liga aber vor dem Boxring tummelt und sehen will, wie ein Klitschko seinen Gegner zu Brei schlägt, das ist dann Kultur? Neeee, nicht im Ernst, oder?

Zu solchen Gelegenheiten kommt mir immer der Titel des Buches von Dieter Wischmeyer in den Sinn: „Eine Reise durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten“.