Wer hat´s erfunden?

Die Schweizer natürlich. Das „Killerspieleverbot“, meine ich.

So, die Schweiz macht also Nägel mit Köpfen, was beinahe ironisch erscheint, gelten die Schweizer doch dem Klischee nach als langsam. Doch in punkto „Killerspielverbot“ sind unsere südlichen Nachbarn schneller als die Deutschen. Hintergünde dazu gibt´s hier.

Bei gulli.com (oberer Link) findet sich eine Aussage von Evi Allemann (die übrigens wohl so heisst und nicht wie auf gulli.com geschrieben „Allemann Evi“):

„Solche Spiele machen zwar nicht aus jedem einen Killer, aber sie verstärken die Bereitschaft bei jenen, die ohnehin anfällig sind. Ein generelles Verbot solcher Spiele erscheint deshalb angemessen und verhältnismäßig, insbesondere da sie über keinen irgendwie schützenswerten kulturell-gesellschaftlichen Gehalt verfügen und es Tausende andere spannende Computerspiele gibt, die ohne solche Gewaltexzesse auskommen.“

Gut, der Besitz eines Messers macht nicht aus jedem einen Killer, aber verstärkt die Bereitschaft bei jenen, die ohnehin anfällig sind. Ein generelles Verbot von Messern erscheint deshalb angemessen und verhältnismäßig…oder was? Was ist denn das für eine Argumentation? Naja, es ist eigentlich keine Argumentation, denn die Tatsachen Mutmaßungen, die Frau Allemann hier präsentiert, sind unsinnig und wissenschaftlich nicht belegt.

Laut Gamestar erhofft sich Frau Allemann

„von dem Gesetz, dass nur einzelne besonders gewaltverherrlichende Spiele verboten werden. Namentlich nennt Allemann Titel wie Manhunt und Mortal Kombat. Counter-Strike, so Allemann im Interview mit 20min.ch, gehöre aber nicht dazu.“

Aha, die Schweiz hat also zwar ein „Killerspielverbot“ beschlossen, dieses scheint aber in der Tat etwas anders gelagert zu sein, als in der deutschen Debatte zum selben Thema. Während in Deutschland „Manhunt“ ohnehin beschlagnahmt ist und nicht legal gekauft werden kann, also auch nicht unter dem Ladentisch, scheint das in der Schweiz derzeit anders zu sein. Die Schweizer verstehen also nicht Counter-Strike, sondern erst das nächst höhere Gewaltlevel als „Killerspiel“. Interessant, denn offenbar scheint es in der Schweiz keine rechtliche Entsprechung des §131 StGB zu geben scheint, der sowieso auf gesetzlicher Ebene die Darstellung besonders grausamer Gewalt verbietet. Wobei ich finde, dass Mortal Kombat durch die sehr starke Überzeichnung der Gewalt eher lustig als brutal erscheint. Aber gut, ein Zehnjähriger muss das nicht unbedingt spielen.

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Von Äpfeln und Birnen

Aha, ein weiterer Tag, an dem unqualifizierte, überbezahlte Spinner Politiker auf Kosten einer ganzen Generation Wahlkampf machen.

Die neuste Idee: „Suchtgefahr“ soll ein Kriterium für die Altersfreigabe von Computerspielen werden, so stehts bei Golem. Toller Plan! Spiele, die also mehr Suchtpotential aufweisen, sollen höher eingestuft werden. Völlig überraschend stammt diese Spitzenidee aus Bayern, wo sich die Sozialministerin Haderthauer zu Wort meldet und Unkenntnis über die Arbeit der USK offenbart. Vielleicht vorher mal informieren, Frau Haderthauer?

Lustig auch, dass sich Frau Haderthauer darüber ärgert, dass eine Alterfreigabe nicht rückwirkend geändert werden kann, wenn sie einmal von der USK erteilt wurde. Blöd, oder? Wäre doch super für die konservativen Spielefeinde, wenn man mal eben alle populären, viel gespielten und damit „suchtgefährdenden“ Spiele einfach populistisch wirksam mit „keine Jugendfreigabe“ einstufen könnte. Gleichzeitig könnte man auch Artikel 5 GG dezent überarbeiten und das „nicht“ in dem Satz mit der Zensur entfernen.

Müsste also ein Spiel vor Erscheinen auf dessen Suchtpotential geprüft werden? Wer könnte das machen? Spiele wie „WoW“, „Warhammer Online“ oder „Runes of Magic“, die stark auf häufiges Spielen abzielen, hätten also, egal wie bunt, knuffig und gewaltfrei sie sein mögen, niemals eine Chance, in Deutschland mit USK 12 oder 16 zu erscheinen? Das Suchtpotential eines Spiels ist höchst subjektiv…die SIMS sind vielleicht ein gutes Beispiel, einige lieben sie und spielen wie besessen, andere hassen sie leidenschaftlich und verbringen keine Minute damit. Sollte man die SIMS deswegen mit „keine Jugendfreigabe“ einstufen? Reicht es dafür schon, dass einige Spieler „süchtig“ sind? Dann müsste man auch Tetris verbieten.

Wenn wir schon dabei sind: Bitte, liebe Frau Haderthauer, verbieten Sie doch Harry Potter! Der dürfte Ihnen mit seinem ganzen heidnischen Zauber-Krimskrams doch sowieso ein Dorn im Auge sein. Und das Lesen der Bücher scheint ein extremes Suchtpotential aufzuweisen…Sie brauchen mir nicht danken, dass ich Sie darauf hingewiesen habe. Zauberer, die auf Besen reiten, pah!

Absurdistan

„War da nicht letztens was in Winnenden? Hat da nicht irgendwer irgendwen ermordet? Hat der nicht auch einen Computer besessen, auf dem Counter-Strike lief? Dann verbieten wir doch mal schnell die Intel Friday Game Night, nicht, dass da noch was passiert!“ So oder ähnlich könnten die Herren und Damen im Bürgermeisteramt Nürnbergs gedacht haben, als sie die Entscheidung fällten, die für den 29. Mai angesetzte iFGN wegen allgemeiner Dummheit aus politischen Gründen kurzerhand zu verbieten.

Bei readmore.de heisst es dazu:

„Auf eine Anfrage hin verwies ein Sprecher direkt auf die Gräueltaten von Winnenden vor einigen Monaten. Aufgrund dieser Ereignisse, bei denen auch vermehrt Computer-Spiele als angeblicher Auslöser in den Mittelpunkt rückten, sei ein solches Event in Nürnberg derzeit nicht denkbar.“

So, nochmal zum Mitschreiben: In Winnenden wurde niemand durch, wegen oder mithilfe eines Computerspiels getötet. Vielmehr war ein psychisch gestörter junger Mensch, dem das Schiessen in einem Schützenverein beigebracht wurde und der in seinem Elternhaus Zugang zu einer legalen Schusswaffe hatte, für die Tat verantwortlich. Dass der Täter in seiner Freizeit Ego-Shooter gespielt hat, ist sowohl für das jugendliche Alter völlig normal, als auch als Quelle der Aggression, des Schießtalents, des Zugangs zu Waffen und der letzlichen Tatausführung auszuschließen. Mir ist darüber hinaus kein Spiel bekannt, in dem es das Ziel ist, nach begangener Tat Selbstmord zu begehen, aber das nur am Rande.

Die Argumentation, dass sich Gewaltdarstellungen in Medien (insbesondere in Spielen) negativ auf die Psyche der Konsumenten auswirkt, wird gern ins Feld geführt, ohne dass dafür aber irgend welche Beweise existierten. Der Boxsport gilt auch nicht als Keimzelle für gewalttätige Schläger, oder? Nein, in diesem Falle wird Boxen sogar oft als Resozialisierungsmaßnahme für straffällige Jugendliche genutzt. Gewalt als Therapie? Scheint ja beim Boxen in Ordnung zu sein, zumal man dort tatsächlich und direkt physische Gewalt ausübt. Jaja, das ist doch aber Sport, denken Sie jetzt vielleicht. Sehe ich nicht so. Beim Boxen, zumindest im Schwergewicht, gewinnt derjenige Schläger Sportler, der seinem Gegner den meisten physischen Schaden zufügt, damit er als erster zu Boden geht. Auf virtuelle Pixelfiguren schießen macht also aus Jugendlichen gefühlskalte Killer, wenn sich die deutsche B-Promi-Liga aber vor dem Boxring tummelt und sehen will, wie ein Klitschko seinen Gegner zu Brei schlägt, das ist dann Kultur? Neeee, nicht im Ernst, oder?

Zu solchen Gelegenheiten kommt mir immer der Titel des Buches von Dieter Wischmeyer in den Sinn: „Eine Reise durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten“.

Das Pferd von hinten aufzäumen

Eins vorweg, damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Kinderpornographie sehe ich als eine verabscheuungswürdige und menschenverachtende Ausprägung menschlicher Perversionen an, die es möglichst effektiv zu bekämpfen gilt.

Unsere Bundesfamilienminsterin von der Leyen strebt die Sperrung von Internetseiten an, die kinderpornographische Inhalte bereitstellen oder auf diese verweisen. Lobenswerte Idee, die zumindest auf dem Papier auch sinnvoll erscheint. Die Umsetzung allerdings erscheint mehr als schwierig.

Neben verfassungsrechtlichen Bedenken und der Angst der großen Provider, dass ihre Kunden aus Angst vor Zensur und Nachverfolgung kündigen, ließen sich Sperrungen von Seiten wahrscheinlich recht einfach umgehen. Im Internet führt niemals nur ein einzelner Weg zu einer bestimmten Seite, durch Umleitungen über ausländische Server und allerlei Verschleierungsschnickschnack ließen sich derartige Seiten wahrscheinlich immer noch aufrufen. Abgesehen davon schläft das Verbrechen nicht. Webinhalte irgendwo anders hin zu schieben, stellt in den meisten Fällen kaum ein Hindernis dar.

Nach der Idee von Frau von der Leyen soll das Bundeskriminalamt täglich (!) eine aktuelle (!) Sperrliste erstellen, diese an die Provider schicken und dort um Sperrung des Zugangs zu diesen Seiten bitten. Klingt nach viel Arbeit, die wohl auch zum überwiegenden Teil umsonst sein dürfte. Allein die Recherche nach derartigen Angeboten verschlänge immense Ressourcen. Außerdem gerieten wohl auch viele Seiten ins Visier der Fahnder, die gar nichts mit einschlägigen Angeboten zu tun haben. Um das zu vermeiden, müssten sämtliche Erwähnungen der entsprechenden Worte (wie auch auf diesem Blog hier) überprüft werden, was einen unglaublichen Aufwand verursachen würde. In der Vorstellung von Frau von der Leyen scheint eine Kinderporno-Seite offenbar deutlich und explizit auf ihre Inhalte hinzuweisen, was in der Realität aber eher nicht so sein dürfte. Eine täglich aktuelle Sperrliste zu erstellen ist aus meiner Sicht sowohl unsinnig als auch technisch unmöglich.

Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Der Staat schaltet sich erst in dem Moment ein, indem die Kinderpornographie bereits hergestellt und zur Verbreitung vorbereitet wurde. Vielleicht ließe sich durch Sperrmaßnahmen der Zugang zu diesen Angeboten einschränken, mehr ist jedoch nicht vorstellbar. Die vollständige Sperrung derartiger Inhalte für interessierte Konsumenten ist mehr als illusorisch. Allein Tauschbörsen, in denen Dateien mit irgend welchen Phantasienamen hin und her geschickt werden, würden die Ermittler jeden Tag nötigen, sich all diese Dateien anzusehen…kaum machbar, oder?

Sicher, ein Eingreifen des Staates vor der Herstellung erscheint ebenfalls nur sehr schwer möglich. Hier würde ich aber den immensen Personal- und Zeitaufwand eher befürworten, als für eine „macht-sich-gut-als-Wahlkampfthema“-Aktion, die von vornherein kaum Chancen auf dem Aufwand entsprechende Effekte hat.