Mobbing & Amok

Schönes Zitat:

„Wir gehen jedem Fall nach, führen Gespräche mit dem Betroffenen, oft auch mit den Eltern, suchen teilweise auch das Zimmer auf, prüfen, ob derjenige Zugang zu Waffen oder indizierten Computerspielen hat.“

Das Zitat entstammt einem Artikel über (Cyber)-Mobbing, in dem postuliert wird, das Betroffene häufig mit Amokgedanken spielen würden. Der Querschluss zwischen Waffen und indizierten Computerspielen ist großartig! Sofern die Kinder minderjährig sind, kann die Polizei ja zumindest die Eltern gleich mal in Gewahrsam nehmen, wenn der 14-jährige Sprössling ein indiziertes Spiel auf seinem hochgezüchteten Spieleboliden hat, den er sonst natürlich nur für Hausaufgaben nutzt. Es lebe der Jugendschutz!

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Langsam wird´s bizarr

…oder: Wie man sich populistisch selbst inszeniert und die Wahlkampftrommel rührt.

Mal wieder zum allseits beliebten leidigen Thema „Killerspiele“. Erneut lehnt sich sich ein Politiker mit einem populistischen Prä-Wahlkampf-Statement sehr weit aus dem Fenster und tut Unwissenheit kund. Diesmal gibt sich der bayerische Innenminister Joachim Herrmann die Blöße und stellt „Killerspiele“ auf eine Stufe mit Kinderpornographie. Nachzulesen ist das unter anderem hier.

Der Minister wird mit folgenden Worten zitiert:

„Ich kann nicht nachvollziehen, wieso man sich im politischen Berlin weitgehend einig ist, Kinderpornographie im Internet zu verbieten und das mit allen Mitteln auch konsequent durchsetzen will, dies aber bei Gewalt verherrlichenden und extrem grausamen Killerspielen nicht möglich sein soll.“

Abgesehen davon, dass die Initiative „Ich-verbiete-jetzt-mal-schnell-Kinderpornos-im-Internet“ von Frau von der Leyen relativ wirkungslos zu verpuffen droht, empfinde ich das Gleichsetzen eines Kulturguts (Spiele, in welcher Form auch immer) mit einer eindeutig kriminellen und menschenverachtenden Form der Pornographie nicht nur als bizarr, sondern auch als beleidigend gegenüber allen Computerspielern. Wir werden damit auf eine Stufe mit Konsumenten von Kinderpornographie gestellt, das kann man schon Verleumdung nennen.

Nachfolgend entkräftet Herr Herrmann seine Forderung nach mehr Verboten und staatlicher Kontrolle interessanterweise gleich selbst, indem er sinngemäß folgendes von sich gibt:

Im gleichen Atemzug verwies Herrmann darauf, dass bereits heute Gewalt verherrlichende Darstellungen nach dem Strafgesetzbuch strafbar sind. Das derzeitige Verfahren der freiwilligen Selbstkontrolle müsse kritisch überprüft werden, damit Killerspiele definitiv keine Chance mehr auf eine Marktfreigabe haben.

(Quelle)

Das erinnert stark an Herrn Schäubles Unzufriedenheit mit der Entscheidungsgewalt des Bundesverfassungsgerichts bezüglich Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchungen.

Herr Herrmann fordert also etwas, das es laut Gesetz (und auch nach seiner eigenen Aussage!) längst gibt. Spiele wie „Manhunt“, die als gewaltverherrlichend eingestuft sind, sind in Deutschland nicht legal erhältlich. Gleiches gilt für Filme, die durch Beschlagnahme aus dem Verkehr gezogen werden und somit auf dem deutschen Markt nicht offiziell zu finden sind.

Warum also eine Forderung nach mehr Verboten? Wahlkampf, denke ich. Bayerische Innenminister haben offenbar einen Ruf zu wahren, Herr Beckstein hatte ja seinerzeit auch durch derart populistische und gänzlich haltlose Forderungen von sich reden gemacht. Naja, man sollte und darf muss nicht CDU/CSU wählen, es gibt ja Alternativen.

Strategic Dismemberment

Meine momentan eher spärliche Freizeit verbringe ich derzeit u.a. mit dem Zocken von „Dead Space“. Kurz umrissen würde ich das Spiel als „Event Horizon mit Knarren zum Selberspielen“ oder „Doom meets Resident Evil in Space“ beschreiben.

„Strategic Dismemberment“ ist das Stichwort, mit dem „Dead Space“ im Vorfeld beworben wurde. Es reicht nicht, wie sonst bei Shootern üblich, die Gegner einfach mit Blei vollzupumpen, vielmehr muss man bei „Dead Space“ gezielt Extremitäten wie Arme, Beine oder Tentakel der Gegner abtrennen, um sie letztendlich auszuschalten. Dabei kann man Gegner mit diversen Energiewaffen in der Mitte durchteilen, blutigst Köpfe abtrennen und die Körper durch die Gegend kugeln. Der Blutanteil ist enorm, passt aber hervorragend zur extrem mobiden und bedrohlichen Stimmung.

Wie das Spiel ungeschnitten (muhahaha) an der USK vorbeigekommen ist, ist mir ein Rätsel. Die deutsche Version ist komplett uncut! Eine Seltenheit dieser Tage, zumal ich bei „Dead Space“ einige Kürzungen sogar verstanden hätte, und das will was heißen. (Naja, gekauft hätte ich trotzdem die Uncut-Fassung.)

httpv://www.youtube.com/watch?v=LAiHfqnbGYo Offizieller Trailer zu „Dead Space“

Aufrüstbare Waffen, nette Grafik und gruselig gute Soundeffekte machen „Dead Space“ zu einem echten Geheimtipp für Freunde von Horrorshootern. Spaziergänge in der Schwerelosigkeit gehören ebenso zum Spiel…diese sind großartig umgesetzt, inklusive gedämpfter Geräusche und Freiflug-Passagen durch den Raum.

Schönes Spiel, das besonders in abgedunkelten Räumen und mit Kopfhörern sein volles (Grusel)Potential entfaltet. Wahrlich ein einschneidendes Spielerlebnis.

He´s back! Pfeiffer reloaded.

Da isser ja wieder. Der unsägliche allseits beliebte Christian Pfeiffer (siehe auch hier) meldet sich zurück an der Front der „Computerspiele-sind-die-Wurzel-allen-Übels“-Fanatiker.

Wie die Gamestar schreibt, gab Herr Pfeiffer u.a. folgendes zu WoW zum besten: »Ich habe noch nie so ein schönes Spiel gesehen von der Ästhetik her. (…) Und es gibt viele humorige Sachen im Spiel. Aber trotzdem USK 18, denn in den Wirkungen ist WoW grauenhaft destruktiv.« Soviel zur Einstimmung. Er kennt also keine schöneren Spiele und auch keine gewalthaltigeren, oder was? Gebt dem Manne doch bitte mal „Oblivion“, „Max Payne 2“, „Stalker“ oder „Far Cry“ zum Spielen, dann kann er sich hinsichtlich der Ästhetik und des Gewaltgrades weiterbilden.

Aber Herr Pfeiffer ist auch ein Mann der leiseren Töne, wie man hier sehen kann: »GTA 4 allein macht niemanden zum Amokläufer. Es müssen immer andere Belastungsfaktoren hinzukommen, etwa innerfamiliäre Gewalt, Misserfolg in der Schule oder eine soziale Außenseiterrolle.« Abgesehen davon, dass diese überraschende, neue Erkenntnis Tatsache bereits seit langem bekannt ist, klingen diese Worte aus dem Munde eines Zensur- und Bevormundungsverfechters wie Pfeiffer geradezu nach einem Friedensangebot. Vielleicht hat Herr Pfeiffer mal über den Tellerrand geschaut und festgestellt, dass Ursache und Wirkung nicht umsonst in einer bestimmten Konstellation zu finden sind.

Aber es kommt noch besser: »Wir könnten uns vorstellen, dass die Industrie einmal Spiele produziert, von denen wir ganz begeistert sind.« Aha, das klingt ja fast nach einem geplanten Quereinstieg in die Spielebranche. Ob jedoch Pfeiffers Anspruch an ein Computerspiel auch einen Verkaufserfolg garantiert, sei einmal dahingestellt.

Love and a .50cal

Heute gesehen bei „How I met your mother“ (Pro7):

Robin und Marshall am Schießstand. Robin hebt die Waffe und was sehe ich? Eine Desert Eagle!

Kaum eine andere Waffe (vielleicht abgesehen von der AK-47, aber die spielt als Vollautomatik in einer anderen Liga) erfreut sich einer derartigen medialen Beliebtheit. Ob in „Matrix“ (Agent Smith benutzt eine Desert Eagle, als er auf Morpheus schießt), in „Eraser“ oder in „Snatch“ und in unzähligen Computerspielen (z.B. „Counterstrike“ und „Call of Duty 4 – Modern Warfare“); die Desert Eagle ist omnipräsent. Was präsentiert Agent Tanya auf einem Poster zu „Command & Conquer – Alarmstufe Rot 3“ sogar beidhändig? Richtig, die (zumindest in Filmen und Computerspielen) populärste Pistole der Welt!

Erklären läßt sich dieser Hype nur durch die mächtige Optik und die gewaltigen Ausmaße dieser Waffe. Weder die Handhabbarkeit, noch das Gewicht oder die Magazinkapazität dieser Monsterknarre würden sie zu einer empfehlenswerten Pistole für Charaktere in Actionfilmen machen. Ungeladen wiegt eines dieser Mordsteile bereits ca. 2 kg! Mit der mächtigsten Munition (Kaliber .50 Action Express) schrumpft die Füllmenge des Magazins auf 7 Schuss. Warum benutzt Jack Bauer keine Desert Eagle, sondern eine HK USP? Weil er eine Waffe benötigt, die man länger als fünf Minuten halten kann, ohne einen lahmen Arm zu bekommen und mit der man mehr als sieben Schuss am Stück abfeuern kann.

Wenn schon eine Riesenknarre her muss, dann besser die HK MK23, ist wenigstens ein deutsches Fabrikat. Nicht wahr, Liv? Oder, wie bei Lara Croft gesehen, die USP Match mit Gewichten am Lauf. Wobei es völliger Quatsch ist, eine für Turniere ausgelegte Pistole, die in kaum ein handelsübliches Holster passt, als Standardwaffe zu benutzen…aber, size does matter! Zumindest bei Pistolen in Filmen.

Ach ja, wer den Titel des Beitrags nicht kapiert, klickt bitte hier.