Kurzreview: Spring Breakers

Endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, mir ein paar Filme anzuschauen. Leider war das Ergebnis wie so oft eher ernüchternd. Naja, vielleicht habe ich auch einen Geschmack, den einfach nur Regisseure wie David Lynch treffen, wer weiß.

„Spring Breakers“ sollte es also sein, davon hatte ich im Vorfeld schon einiges gelesen.
Hier der Trailer:


Ich erwartete also eine sozialkritische, gewalttätige Abrechnung mit der Oberflächlichkeit der Gesellschaft, das Ganze in Videoclipoptik mit hübschen Mädels und Britney Spears-Songs. Nun ja, in Teilen wurden die Erwartungen erfüllt: es wird mehrmals Britney gesungen, einige Sequenzen könnten tatsächlich aus einem Musikvideo stammen und verdammt, Vanessa Hudgens kann ja wirklich echt heiß aussehen. Das war es aber schon auf der Haben-Seite.

Nun zu den Dingen, die mir am Film nicht gefallen. Die gesamte Handlung ist oberflächlich, löchrig zusammengeschustert, teils höchst unrealistisch und erzeugt absolut keine Spannung. Die Mädels fahren zum Spring Break, machen Party, werden verhaftet, von einem Kleinkriminellen freigekauft und arbeiten dann für den. Freiwillig! So weit, so WTF! Die Rolle von Selena Gomez ist so überflüssig wir klischeebeladen. Ja, natürlich soll hier das religiös-heuchlerische Amerika angegriffen werden, aber das geschieht so platt und langweilig, dass es nervt. Irgendwann in der Mitte des Films hat die Selena dann genug und fährt einfach wieder nach Hause. Weg ist sie. Gut so. Eine andere aus der Truppe wird später angeschossen (!) und fährt dann auch einfach nach Hause zurück. Die beiden verbleibenden Mädels steigern sich weiter in den Traum vom Gangsterleben und metzeln am Schluss eine ganze Herrschar von Baddies nieder. Mit Glock 18-Pistolen (bzw. umgebauten Glock 17, das kann man nicht erkennen), im Bikini und ohne einen Kratzer abzukommen. Noch dazu wieder mit der Hollywood-typischen Endlosmunition, denn trotz verlängertem Magazin verballern die Girls in der Endsequenz ein Vielfaches der vorhandenen Muni. Mich stört sowas.

Danach geht es zurück nach Hause, als wäre nichts gewesen.

Kleines Detail am Rande: In der deutschen Kaufversion wird am Ende eine Texttafel eingeblendet, aus der hervorgeht, dass die Mädels doch nicht (wie im Original) ungeschoren davon kommen. In meiner Videothekenversion war diese allerdings nicht enthalten.

Insgesamt gebe ich 6 von 10 Punkten. „Spring Breakers“ ist ein Film, der viel mehr hätte sein können, wenn sich hier mal wirklich was getraut worden wäre. Ja, Drogen, ja, Schimpfwörter, ja, Waffen. Aber das alles erscheint so nach Plan zusammengemischt, um ein wenig zu provozieren, dass diese Wirkung bei mir völlig verpufft ist.

Ein ziemlich lahmer Spring Break.

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Vampire, Hexen und dämliche Plots

Ich bin ja so ein Typ, der in eine Videothek marschiert, dort eine gefühlte Ewigkeit verbringt, ohne sich für einen Film entscheiden zu können und dann unverrichteter Dinge wieder abzieht. Ich suche eher nicht nach langweiligem Standard-Mainstream, sondern nach den kleineren, gemeinen Filmen. Diese müssen dann vom Plot her auch noch in etwa meinen Geschmack treffen und sollten, wenn es sich um härtere Vertreter handelt, auch nicht geschnitten sein. Das schränkt die Auswahl immens ein, denn nach wie vor kommen sehr viele Filme in teils böse verstümmelten Fassungen (ironisch eigentlich, das z.B. über einen gekürzten Splatterfilm zu sagen) in die Videotheken. Aber es muss ja nicht immer viel Blut fließen.

Dieses mal nahm ich drei Filme mit, dem 3×3-Angebot (3 Filme für 3 Tage für insgesamt 5 Euro) sei Dank. Hätte ich gewusst, was mich erwartet, hätte ich mir das noch mal überlegt.

An anderer Stelle hier im Blog hatte ich vor einer ganzen Weile bereits mal den Film „The Hamiltons“ erwähnt, den ich insgesamt ganz gut gelungen fand. Nicht zu plakativ, halbwegs glaubhaft und angenehm unaufdringlich wurde eine Story über eine auf den ersten Blick ganz normale Familie präsentiert. Auf den zweiten Blick entpuppten sich die Hamiltons allerdings als Quasi-Vampire, zwar menschlich, aber mit unstillbarem Blutdurst. Nun stand also mit „The Thompsons“ der Nachfolger im Regal (gleiche Familie, anderer Name, da man sich aus dem Staub machen musste). Uncut, nach Aussage auf dem Cover. Ach, der hätte so gut sein können.

Trailer: „The Thompsons“

Die Ausgangslage des Film ist durchaus spannend, der Anfang fällt auch mit ein wenig Blut, skurrilen Personen und einer sich nach und nach aufdeckenden Geschichte ganz annehmbar aus. Ab der Mitte des Films offenbaren sich jedoch deutliche Schwächen. Die Charakterzeichnungen sind schablonenhaft, die Geschichte wird laienhaft erzählt, die Kampfszenen und Special Effects sind einfach schlecht. Alles in allem ein ärgerlicher Film, weil hier mit mehr Story und weniger schlecht gemachter Action deutlich mehr drin gewesen wäre. Statt  „The Thompson“ empfehle ich eher den ersten Teil „The Hamiltons“.

Hmm, das konnte ja eigentlich nur besser werden. Dachte ich.
Also Film Nr. 2 angeschaut: „Airborne – Come Die With Me“. Zugegeben, ich habe Trash erwartet und war dennoch besonders vom Drehbuch derartig unterwältigt, dass es beinahe schmerzte. Aber first things first. Wo fange ich an? Trailer!

Trailer: „Airborne – Come Die With Me“

Ja, das ist Mark Hamill. Wer? Na, Luke Skywalker! Mann, es muss wirklich schlecht um seine Karriere stehen, wenn er solche Filme drehen muss. Also, worum geht es? Ein abgelegener Flughafen, irgendwo, tut nichts zur Sache. Eine bunt zusammen gewürfelte Truppe von Fluggästen will den letzten Flug an diesem Tag nehmen, der trotz eines aufziehenden Super-Duper-Sturms noch starten darf. Ist klar, oder? Man sieht, dass irgend ein Frachtstück in einer ominösen Kiste in die Maschine geladen wird und dass Agenten des SIS (wofür immer die auch zuständig sein mögen) irgendwas damit zu tun haben. Daneben sind noch ein großkotziger Waffenhändler mit zwei Bodyguards, zwei Soldaten und ein paar andere Personen mit von der Partie. Flugzeug startet, nach und nach verschwinden Personen an Bord. Parallel bekommt man mit, dass die SIS Agenten am Boden geblieben sind, was merkwürdig erscheint bei einer doch offenbar so wertvollen Fracht. Es stellt sich nämlich heraus, dass es sich dabei um eine antike chinesische Vase im Wert von 100 Millionen Dollar handelt. Soweit, so unspannend. Ja, dann kommt heraus, dass eine der Flugbegleiterinnen und einer der Bodyguards des Waffenhändlers gemeinsame Sache machen, um die Vase zu klauen. Ach ja, in der Vase wohnt übrigens der Geist eines Donner-, Toten- oder Was-auch-immer-Gottes, der auch noch seine Finger im Spiel hat. An Bord wird also gestorben, der Gott aus der Vase übernimmt ein paar Personen, letztlich lassen die verbliebenen Personen das Flugzeug ins Meer stürzen, um zu verhindern, dass das Böse das Festland erreicht. Das klappt nicht ganz, wie man am Ende sieht.

Klingt gar nicht sooo übel? Ja, ich habe ja auch noch nicht erwähnt, dass es einen Mini-Nebenplot gibt, in dem es darum geht, dass eine der ursprünglich für den Flug vorgesehenen Flugbegleiterinnen angeblich einen Ersatzmann geschickt hat, der dann auch an Bord geht. Als die Verhinderte aber nach dem Take-off am Flughafen eintrifft, weiß sie nichts von einer Vertretung. Klarer Fall, der Ersatzmann ist einer von den Bösen!! Weit gefehlt, dieser Handlungsstrang wird überhaupt nicht (!) mehr verwendet! Die ganze Sequenz ist absolut sinnlos. Hat man hier beim Drehen schlicht vergessen, das noch mit einzubauen? Wer schreibt denn solche Drehbücher? Dass die Agenten nicht mit an Bord gehen, stattdessen aber der neue Eigentümer der Dämonenvase mitfliegt und dieser auch darüber Bescheid weiß (!), dass ein uraltes Böses in seiner Vase wohnt, mag da schon kaum mehr zu stören. Klaro, ein Artefekt von gigantischem Wert mit bösem Inhalt wird per Linienflug während eines aufziehenden Sturms ohne Begleitschutz an Bord über den großen Teich geschickt. Realismus pur. Bäh, was für ein Mist. Hätte charmanter Trash werden können, ist letztendlich aber nur Grütze.

Zum Schluss aber noch ein winziger Lichtblick in Form des dritten Film an diesem filmisch betrachtet eher miesen letzten Wochenende. „Twixt“ hieß das gute Stück, ein ziemlich aufgedunsener Val Kilmer spielt die Hauptrolle. Selbstironie und eine wirklich gute Optik kennzeichnen diesen zwar von der Geschichte her düsteren, aber dennoch eher lockeren Film.

Trailer: „Twixt“

Val Kilmer als abgehalfterter Autor von Hexenromanen landet in einer Kleinstadt, die ihre eigene Gruselgeschichte über einen Massenmord hat. Edgar Allan Poe spielt mit, das Make-up von „V“ ist wirklich nett, es gibt einen recht sinnfreien Nebenplot mit einer Gruppe Gothics (!) und besonders die an „Sin City“ erinnernden Szenen im Film-Noir-Stil wissen wirklich zu gefallen. Mehr als einmal fühlte ich mich an Twin Peaks erinnert, was durchaus ein positives Urteil ist. Zwar endet der Film, der zwischenzeitlich quasi eine Geschichte in der Geschichte (nämlich den Plot des neuen Romans der von Kilmer verkörperten Figur) erzählt, sehr abrupt, aber hinterlässt eher ein gutes Gefühl. Über weite Strecken ist „Twixt“ eher skurril als gruselig und sitzt filmisch zwischen einigen Stühlen. Es ist kein Horror, kein Mystery im klassischen Sinne und auch kein Krimi. So richtig witzig ist der Film auch nicht, es herrscht eher trockene Selbstironie vor. Ich fand ihn gut. Vielleicht lag das aber auch an den miesen Machwerken, die ich mir zuvor angeschaut hatte. Der Trailer wirkt übrigens weit actionreicher, als der Film letztlich ist.

So, dann lieber noch etwas Dexter. Da weiß man, was man hat.

Kurzreview: „Hellraiser – Revelations“

Nur wenige Horrorfilme haben das Genre wohl so mitgeprägt wie die Hellraiser-Reihe. Die ersten beiden Teile sind absolute Klassiker, sowohl was Stimmung und Härte als auch Make-Up-Effekte angeht. Die Szenen mit Julia, die komplett ohne Haut durch die Gegend läuft (Hellraiser II – Hellbound) finde ich noch heute absolut beeindruckend. Die Cenobiten rund um Oberhaupt Pinhead, die Puzzlebox und natürlich Ketten, Haken, auseinander gerissene Menschen und diverse Oneliner wie „Wir haben die Ewigkeit, um Dein Fleisch kennen zu lernen“ machen das Flair der Filme aus.

Nach den fantastischen ersten beiden Teilen folgte mit „Hellraiser – Hell on Earth“ ein dritter, der neben einer sehr ansehnlichen Terry Farrell zumindest ein wenig Cenobiten-Action und ein paar nette Ideen bot. Die dann folgenden Teile 4 bis 8 schwankten zwischen „ganz okay“ und „total überflüssig“. Nun steht also Teil 9 in der Videothek und natürlich habe ich mir den angeschaut.

httpv://www.youtube.com/watch?v=orWK-QlPSfg

Ja, ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Dieses neuste Machwerk ist wahrlich eine Ausgeburt der Hölle, denn vieles wird hier so schlecht gemacht, dass man weinen möchte. Der Found-Footage-Stil am Anfang ist Geschmacksache und wird in den Rückblick-Zwischensequenzen auch nicht konsequent durchgezogen, was immens an der Glaubwürdigkeit kratzt. Viel schlimmer indes ist der neue Pinhead, da Doug Bradley in „Revelations“ nicht mehr den Pinhead geben wollte. Leider. Lächerlich, bestenfalls ist der neue Oberdämon. Der Schauspieler versucht durch ans Komische grenzendes Overacting gruselig zu wirken, was nicht mal mit Nägeln im Kopf gelingt. Dazu spricht Pinhead nun nicht mehr mit grollend tiefer, leicht verfremdeter Stimme, sondern wie ein normaler Mensch. Das macht besonders die deutsche Synchro zu einem wahren Graus, im Englischen ist es zumindest erträglich.

Die Geschichte bedient sich großzügig an Elementen der Teile 1 und 2, besonders die Geschichte mit dem „Du musst für mich Menschen töten, damit ich wieder leben kann“ und der gestohlenen Haut erinnern schon sehr an die Handlung der alten Klassiker. Noch dazu ist die Szenerie sehr begrenzt, außer dem Ausflug nach Mexiko spielt der gesamte Film in einem abgelegenen Haus irgendwo im Nichts. Praktisch.

Naja, zum Ende hin werden ein paar Menschen von den Cenobiten gemeuchelt, das alles wirkt jedoch wie eine sterile Hochglanzaufnahme und hat überhaupt gar nichts mehr von der ekeligen Düsternis und dem dreckigen Gesplatter der alten Filme. Wenn ich an die Szenen auf dem Dachboden im ersten Teil denke, boah, das war noch finster. Dagegen wirkt „Revelations“ wie ein Kindergeburtstag. In der Hölle immerhin.

Auf dem Cover prangt dickt das „Uncut“-Logo, was eigentlich hoffen ließ, dass hier mehr böses Rumgeschlitze zu erwarten wäre. Fehlanzeige, leider. Wobei natürlich das Gore-Level nicht alles ist, aber wenn schon die Dämonen lächerlich wirken, sollte wenigstens ein wenig Härte vorhanden sein. So bleibt ein über weite Strecken einfallsloser und schlaff inszenierter Film, der nun hoffentlich auch endlich das Ende dieses Ausschlachtens einer bekannten Reihe darstellt.

Fast wünscht man sich, dass die Produzenten solcher Filme eines Morgens eine kleine Puzzlebox auf dem Nachttisch finden und den unbezähmbaren Drang verspüren, sie öffnen zu wollen. Aber nur fast.

Kurzreview: „Repeaters“

Es ist ja selten genug, dass mich ein Film positiv überraschen kann. „Repeaters“ schafft dieses Kunststück jedoch fast spielend, denn hinter der vermeintlich abgedroschenen „Wir-stecken-in-einer-Zeitschleife-fest“-Story verbirgt sich ein intelligenter, teils drastischer und vor allem nachdenklicher Film.

httpv://www.youtube.com/watch?v=-Ew9G71fSG8

Das minimalistische Setting und die großartigen Darsteller machen den Film sehenswert. Aus der simplen Grundgeschichte, dass drei Ex-Junkies auf Entzug in einer Zeitschleife feststecken, wird nach und nach ein böses Gewaltinferno, in dessen Verlauf wirklich genau die Dinge auf den Tisch kommen, die ich mich in einem solchen Szenario auch fragen würde. Einer aus der Gruppe dreht durch und richtet Tag für Tag ein Blutbad an (Hah, und welche Waffe benutzt er? Richtig, eine Desert Eagle!), begeht Verbrechen und zwingt die anderen beiden, sich daran zu beteiligen. Was macht es aus Menschen, sich zügelloser Gewalt hinzugeben? Ist es zu verantworten, andere oder sich selbst umzubringen, nur weil man annimmt, dass morgen alles vergessen ist? Hat es überhaupt einen Sinn, sich in einer solchen Situation moralisch zu verhalten? Diesen psychologisch-philosophischen Tiefgang hätte ich nicht erwartet, das ist wirklich sehr gut gemacht.

Wie es sich für einen gemeinen Film gehört, ist das Ende nicht nur böse, sondern entlässt den Zuschauer auch mit einer Frage: Sieht so die Hölle aus? Gezwungen, einen schrecklichen Tag immer und immer wieder zu durchleben?

Wer´s gern mal düster hat und auch Filme schauen mag, die gänzlich ohne Effektgewitter auskommen, sollte „Repeaters“ mal eine Chance geben. Vor allem, weil der Film es in noch einer Beziehung richtig macht: er versucht keine Antwort auf die Frage zu geben, was die Zeitschleife auslöst und warum sie am Ende (vielleicht) wieder endet. So liegt es ganz beim Betrachter, herauszufinden, was die Botschaft des Film ist.

Großes Kino. Filmtipp!

Kurzreview: „Beyond“

Ich halte ja nicht viel von Filmen, auf deren Cover mit großen Namen geworben oder Vergleiche mit Genreklassikern gezogen werden. Trotzdem habe ich mir „Beyond“ mit John Voight angeschaut, in der Erwartung, einen spannenden und leicht übersinnlich angehauchten Film zu sehen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=AEJ5DgTYqa4

Im Nachhinein bin ich enttäuscht, denn hier wurde viel Potential vergeudet, der angekündigte „sensationelle Twist“ am Ende lässt sich bereits nach etwas mehr als einer halben Stunden erahnen, gleichzeitig ist er in keiner Weise mit dem auf dem Cover erwähnten „The Sixth Sense“ zu vergleichen. Rory ist Aurora, na noch offensichtlicher ging es wohl nicht?

Handwerklich macht der Film viel richtig, die Darsteller und vor allem die winterliche Landschaft sind sehr gut gewählt und in Szene gesetzt. Der paranormale Anteil am Plot ist zwar nicht besonders originell, aber doch noch ganz gut in die Handlung eingebettet. Leider geht dem Film am Ende etwas die Luft aus. Ich erwartete einen schockierenden oder total abgefahrenen Endtwist (siehe Bruce Willis in „The Sixth Sense“), aber die lahme Auflösung lässt dem Film zum Ende hin die Puste ausgehen. Wer eine Geisterstory oder ähnliches erwartet, wird nicht auf seine Kosten kommen, das Übernatürliche in „Beyond“ wirkt wie zusätzlich mit dran gestrickt.

So bleibt ein akzeptabler Film, der besser hätte sein können, dem Freund leicht unterkühlter Krimis mit einem Faible für kleinere Mystery-Ausflüge aber schon Spaß machen könnte.

Filmtipp: „The Cabin in the Woods“

Das Wichtigste vorweg: „The Cabin in the Woods“ ist ein toller Film. So, dann wäre das schon mal geklärt.

ACHTUNG: Im Folgenden gibt´s jede Menge Spoiler zum Film. Wer ihn also noch sehen möchte, und dazu rate ich dringendst, sollte ab hier nicht weiterlesen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=utoaJFo35oQ

So muss ein Filmtrailer sein: Lust auf mehr machen, ohne zuviel zu verraten. Dazu ein wenig Humor („Wir sollten uns aufteilen!“) und natürlich Fran Kranz, den ich schon als Topher Brink in Joss Whedons „Dollhouse“ unglaublich großartig fand, fertig ist die Laube.

Was zunächst nach Teenieslasher mit ein paar interessanten Twists (Energiefeld!) aussieht, entpuppt sich während des Zuschauens als intelligente Hommage an und tiefe Verbeugung vor allen möglichen Horrorklassikern. Ob es die Hütte im Wald („Evil Dead“), die in sich bewegenden Würfel untergebrachten Kreaturen („Cube“) oder das Design der Monster zum Ende des Films hin (u.a. „Hellraiser“, „Es“, „Buffy“ (die Riesenschlange erinnert schon seeeeehr an den Bürgermeister von Sunnydale) oder „Silent Hill“ (das Mädchen mit dem Gebiss statt Gesicht)) sind, hier steckt so viel Liebe zum Detail drin, dass man den Film einfach lieben muss. Eigentlich hatte mich der Film schon in den ersten Minuten überzeugt, als nämlich Amy Acker („Angel“, „Dollhouse“, „Alias“) ihren ersten Auftritt hatte. Hach. Und in einer Minirolle springt auch Tom Lenk („Buffy“) durch die Gegend.

Was aber noch viel großartiger ist und mir erst eine Weile nach dem Kinogang richtig bewusst wurde, ist, dass „The Cabin in the Woods“ allen anderen Horrorfilmen einen Sinn gibt (!) und alle elementaren Fragen zu diesem Genre beantwortet. Wer hat sich nicht schon immer gefragt, warum plötzliche alle die Idee super finden, sich im dunklen Haus aufzuteilen? Oder warum sich mindestens eins der Mädels plötzlich die Kleider vom Leib reißen will? Oder warum es in jeder Gruppe immer einen Nerd, einen Clown, einen „Narren“ gibt? Und vor allem, warum der größte Kiffer derjenige ist, der alles überlebt? Nach dem Film weiß man es. Genauso wie man weiß, dass all die Vorkommnisse in Filmen wie „The Ring“, „Freitag der 13.“, „Hellraiser“ oder „Nightmare on Elm Street“ einem gemeinsamen Ziel folgen: der Rettung der Menschheit! Wie episch ist das denn bitte?

Nachdem die Hauptstory des Films nach etwas mehr als einer Stunde bereits beendet scheint, dreht sich plötzlich alles fast in „From Dusk ´til Dawn“-Manier um. Aus dem zwar blutigen, aber recht zahmen Slasher wird ein episches Schlachtfest, garniert mit zynischem Humor, jeder Menge abstruser Kreaturen (wir lernen hier zum Beispiel, das Einhörner überhaupt nicht nett sind) und…Sigourney Weaver.

Dass Whedon die Menscheit und buchstäblich die ganze Welt am Ende des Filmes untergehen lässt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Obwohl die letzte Szene noch einen tollen Seitenhieb hätte bringen können, wenn es nämlich statt eines humanoiden Alten Gottes ein anderer gewesen wäre, der sich aus der Tiefe erhebt: Cthulhu.

Aber man kann ja nicht alles haben.

Toller Film, der natürlich umso besser wird, je mehr Filmzitate man erkennt. Und endlich mal ein Film, der ganz sicher keinen direkten Nachfolger haben wird (Wir erinnern uns, die Welt geht unter). Eine Tugend, von der sich Filme in Zukunft gern die eine oder andere Scheibe abschneiden dürfen.

Wer Horrofilmen auch nur ein minimales Maß an Spaß abgewinnen kann, sollte sich diese Perle nicht entgehen lassen. Für Whedon-Fans ist „The Cabin in the Woods“ ohnehin ein Muss.

„The Ward“ – Kurzreview

Der letzte Spielfilm von John Carpenter, den ich bewusst gesehen und auch gut gefunden habe, war „Die Mächte des Wahnsinns“ („In the Mouth of Madness“), wobei „Cigarette Burns“ im Rahmen der Masters of Horror-Reihe auch angenehm verstörend war. Das Remake von „The Fog“ war dagegen eher nicht so ein Knaller.

Nun also habe ich mir „The Ward“ angeschaut, der wie eine Mischung aus „Einer flog übers Kuckucksnest“, „Durchgeknallt (Girl, Interrupted)“ und „Identität“ daherkommt.

Trailer
httpv://www.youtube.com/watch?v=H8a8AeiYQ7U

Carpenter mixt hier Stilelemente der vorgenannten Filme zusammen, allerdings vergisst er leider, einen spannenden Plot oder gar eigenständige Ideen einzuweben. Mädchen wird nach dem Niederbrennen eines Hauses in die Psychiatrie gesteckt, lernt dort andere Mädchen kennen und merkt recht schnell, dass hier irgend eine finstere Gestalt des Nachts durch die Gänge schleicht. Schnell kommt es zu ersten Übergriffen, nacheinander sterben die anderen Mädels und irgendwann klärt sich (vermeintlich) auf, was dahinter steckt. Recht schnöde Geschichte um einen rachsüchtigen Geist, noch nicht einmal sonderlich spannend inszeniert. Leider ist „The Ward“ von der unterschwelligen Spannung eines „Die Mächte des Wahnsinns“ meilenweit entfernt, die Schocks sind vorhersehbar und sitzen nicht wirklich.

Lediglich der Twist zum Ende des Film gibt dem Ganzen ein wenig Würze, dabei ist es aber weder eine neue noch eine sonderlich innovativ umgesetzte Idee. Klar, dass am Ende noch ein Schock kommt, der zeigt, dass es doch kein Happyend gibt, obligatorisch und wenig subtil, dafür doch einigermaßen erschreckend.

Durchschnittsware, leider, denn Carpenter kann es besser. 4 von 10 Punkten, mehr ist nicht drin. Irgendwie habe ich in letzter Zeit kein glückliches Händchen bei meiner Filmauswahl.