B für „Blöd“

Nach der medienwirksam inszenierten linguistischen Glanzleistung Katastrophe „C wie Zukunft“ legt die CDU jetzt nach, wie ich bei GameStar lesen konnte. Hier ein Auszug aus einem aktuellen Papier:

„So sollte neben den Kennzeichnungen der Altersstufen 6, 12, 16 und 18 eine weitere Kennzeichnung hinzukommen: „B“ für Blogs. Eltern sollten bei den  Jugendschutz-Programmen das Alter ihrer Kinder einstellen und zusätzlich entscheiden können, ob auch Angebote mit der Blogger-Kennzeichnung auf dem Computer ihrer Kinder angezeigt werden dürfen – unabhängig von der eingestellten Altersstufe.“

(hier gibt´s das Originaldokument zum Download)

Im (Achtung: Humor!) „Positionspapier des Medienpolitischen Expertenkreises“ wird u.a. von „den Bloggern“ gesprochen, als wäre das ein Volksstamm aus Vorderindien. Noch besser aber ist der Vorschlag, eine freiwillige Selbstkontrolle für Bloginhalte einzurichten, die von „der Netzcommunity“ (ein Nachbarstamm der Blogger) umgesetzt wird. Grandios.

Fassen wir also zusammen: Blogs sind böse. Naja, nicht generell, aber dennoch genug, um eine spezielle Kennzeichnung zu fordern. Ich lasse dann also meine Inhalte von der Netzcommunity gegenlesen (hey, das bringt auf jeden Fall eine Menge Leute auf mein Blog. Ich sollte Banner schalten.) und erhalte dann von denen eine Einschätzung, wie jugendgefährdend mein Blog ist.

Klingt blöd toll!

Damit das hier nicht falsch rüberkommt, ich bin durchaus für Jugendschutz. Aber bitte, seit wann sorgt denn ein „Bitte sehen Sie nicht hin!“-Schild dafür, dass die Leute einfach weitergehen und eben nicht stehen bleiben um zu gaffen? Eine generelle, freiwillige Einstufung des Inhalts, wie das auch von anderen Diensten schon ermöglicht wird, wäre indes keine so schlechte Idee. Gleichzeitig müsste dann aber eine Möglichkeit geschaffen werden, Jugendschutzprogramme/Browser zu veranlassen, diese Inhalte auszublenden. Und damit meine ich eine Möglichkeit, die nicht jeder Fünftklässler in zwei Minuten umgehen kann (vgl. auch „Netzsperren“). Technisch würde das dann bedeuten, dass jedes (freiwillig teilnehmende, *rolleyes*) Blog einen speziellen, von irgendwem bereitgestellten Code einbinden müsste, der mit diversen Jugendschutzprogrammen kompatibel ist? Und sobald ich in einem einzigen Artikel voller Enthusiasmus über „Dead Space“ berichte, wäre kheryha für immer und ewig ab 18? Ach so, oben steht ja, dass die „Blogger-Kennzeichnung“ unabhängig von der Altersfreigabe greifen soll. Heißt also, dass, selbst wenn ich nur über Disneyfilme blogge und das „B“ einbinde, übereifrige Eltern mein Blog trotz FSK 6 blockieren würden, wenn sie in guter (?) Absicht im Jugendschutzfilter den entsprechenden Haken setzen? Zuende gedacht. Nicht.

Das klingt alles supertoll, wenn man für den Jugendschutz trommeln will, aber zu mehr taugt es nicht. Hier zeigt sich ein weiteres Mal, wie weit in der CDU gedacht wird. Ist irgendwie nicht so besonders weit.

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Das nervt in 2009: Flames

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie stöbern im Netz und finden auf einem Blog einen Artikel, der Ihnen widerstrebt, weil das dort Geschriebene konträr zu Ihrer Meinung ist. Vielleicht entsprechen die politischen, religiösen oder sonstwelche Ansichten nicht den Ihren, vielleicht stören Sie sich an Ironie und Sarkasmus, weil Sie diese nicht verstehen, vielleicht kennen Sie auch den Autor persönlich und finden Ihn total zum Kotzen, weil er noch nie Ihrer Meinung war, oder… Soweit klar?

Was tun Sie also? Bitte machen Sie Ihr Kreuzchen.

1. Ich investiere Zeit und Kraft in das Verfassen von Flame-Kommentaren. Dabei schrecke ich auch vor Schlafentzug und an Wahnvorstellungen grenzenden Phantasiegebilden nicht zurück.

2. Ich projiziere meine eigenen Vorurteile gegen das Thema, den Autor, seinen Hund, seine Katze in meine Postings und sorge dafür, dass auch das letzte bißchen Niveau flöten geht.

3. Ich übertreibe maßlos in meinen Flames und unterstelle dem Autor haltlose Dinge, diffamiere ihn öffentlich, statt eine private Mail zu schreiben und lasse mich über die Dummheit des Verfassers aus.

4. Ich schreibe einen Kommentar zum betreffenden Artikel, in dem ich ausdrücke, dass ich anderer Meinung bin. Ich führe Fakten ins Feld und stelle dar, wie ich die Situation sehe. Ich verzichte dabei selbstverständlich auf persönliche Beleidigungen und Geflame.

5. Ich tue nichts davon, sondern schreibe dem Autor an die im Impressum angegeben Mailadresse eine private Nachricht, in der ich meinen Unmut kundtue.

Wenn Sie bei 1-3 ein Kreuzchen gemacht haben, dann empfehle ich, statt meinen Blog weiterzulesen, hier fortzufahren. Nichts zu danken.

Haben Sie jedoch Ihr Kreuzchen bei 4 oder 5 gemacht, dann sind Sie herzlich willkommen, mir als Leser oder Kommentator weiterhin Gesellschaft zu leisten.

Man muss nicht einer Meinung sein, um ein Gespräch führen zu können. Das hier Geschriebene stellt meinen persönlichen Standpunkt dar, nicht mehr und nicht weniger. Meinungsfreiheit, so wird das genannt, wenn ich mich nicht irre. Wem meine Meinung nicht passt, der ist herzlich eingeladen, sich dazu zu äußern. Flames werden allerdings kommentarlos gelöscht.

In diesem Sinne,

Crennas