Tatort-Unsinn

Vor ein paar Tagen habe ich durch Zufall eine alte Tatort-Folge („Todesengel“) gesehen, die so vollgestopft mit Unsinn war, dass mich das Zusehen von Minute zu Minute mehr aufgeregt hat. Ein Heckenschütze schießt auf Menschen, die Kommissare nehmen die Ermittlungen auf und finden was? Einen Schüler, der von seinen Mitschülern gehänselt wurde, zu Hause im stillen Kämmerlein Computerspiele (gemeinhin auch als „Killerspiele“ bekannt) spielt, dessen Vater ihn im Umgang mit Scharfschützengewehren (!) ausgebildet hat und der sich zum Abschluß der Geschichte auch noch supertheatralisch das Leben nimmt. Gut, eine Anhäufung dummer Klischees ist das eine, aber die Darstellung der Kommissarin, des SEK-Teams und der Polizei an sich lassen eher vermuten, dass der Drehbuchautor damit eine Farce statt eines ernstzunehmenden Krimis schreiben wollte. Das SEK macht was es will, hält sich nicht an Anweisungen der ermittelnden Kommissarin, die örtliche Polizei gibt ohne Erlaubnis Informationen weiter und lässt sogar die Eltern des Täters mit einem Megaphon (natürlich auch von der Polizei) auf das Gelände, um Sohnemann zum aufgeben zu überreden.

Die Krone setzt dem Ganzen aber die Kommissarin Inga Lürsen auf. Diese meint, durch gutes Zureden und sich-direkt-in-die-Schussbahn-stellen den Amokläufer zum Aufgeben motivieren zu können. Was ist denn das für ein Quatsch? Ich stelle mich nicht vor einen vermeintlich ausgetickten Amokläufer, von dem ich annehme, dass er seine Tat lange geplant hat, dass er Schießerfahrung hat und dass er sich mit der Polizei anlegen will. Klar, das lernt man sicher bei der Ausbildung zum Kommissar. Natürlich, statt auf die Kommissarin zu schießen, was in diesem Szenario realistisch gewesen wäre, schießt er absichtlich vorbei. Was tut die Kommissarin? Statt nun endlich den Kopf unten zu behalten, will sie erneut in den Weg springen…dann wird noch der (Stief?)Mutter in den Arm geschossen und schließlich sprengt sich der Täter mittels rein zufällig direkt neben ihm stehender Gasflaschen in die Luft. Schönes Ende, mit dem der Konflikt nicht gelöst wurde, und der Drehbuchschreiber sich kein echtes Ende ausdenken musste. Wobei der Umgang der Eltern und der Polizei mit einem überlebenden Amokläufer mal wirklich spannend gewesen wäre, nein, stattdessen wird der einfache Weg gewählt. Das kommt dabei raus, wenn jemand Drehbücher schreibt, der von der Materie keine Ahnung und gleichzeitig keine eigenen Ideen hat. Armer Tatort. So einen Unfug hat die Reihe nicht verdient.

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Kulturflatrate? Und wo ist die Kultur?

Aha, neues Zahlungsmodell für die Rundfunkgebühren, jeder (!) Haushalt soll eine Pauschale entrichten. Nach dem neuen Modell soll es kaum noch Befreiungen von der Zahlungspflicht geben, es wird also beinahe jeder Haushalt zur Kasse gebeten. Dabei ist es wohl nach wie vor egal, ob man mit den vorhandenen Rundfunkgeräten überhaupt die über die Gebühr finanzierten Angebote nutzt bzw. ob man überhaupt solche Geräte besitzt. Das ist ein wenig so, als müsste jeder Bürger KFZ-Steuer bezahlen, weil er/sie ja ein Auto haben könnte.

Die neue Rundfunkgebühr stellt also irgendwie sowas ähnliches wie die oft besprochene Kulturflatrate dar. Allerdings bezieht sich die Flat hierbei nur auf die von ARD, ZDF und Konsorten bereitgestellten Kulturangebote. Ich muss zugeben, dass ich außer der Tagesschau kaum Sendungen der ARD und außer hin und wieder „heute“ auch kaum ZDF-Sendungen sehe. Mag sein, dass ich da eine Ausnahme darstelle, aber ich habe nicht das Gefühl, dass die Öffentlich-Rechtlichen kulturelle Angebote für jede Bevölkerungsgruppe bereitstellen, bzw. dies überhaupt versuchen.

Bleibt zu hoffen, dass durch die Tatsache, dass bald ingesamt mehr Haushalte Rundfunkgebühren zahlen müssen, und damit die Zahl derer steigt, die sich über mieses Programm beschweren dürfen, sich auch die Qualität des Angebots entsprechend verbessert. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.