Mehr Klischee geht wohl nicht?

Im Spielzeugladen in einem größeren Kaufhaus, vor einem Regal mit Experimentierbaukästen. Wir begutachten ein Set mit naturwissenschaftlichen Experimenten, im Paket mit einem Magnetbaukasten. Nicht übel, soweit.

Eine Mitarbeiterin gesellt sich dazu.

Sie so: „Wie alt ist denn der Junge?“

Ich so, verwirrt: „Sie wird demnächst fünf.“

Sie so, auf einen Baukasten am anderen Ende zeigend: „Ja, für Mädchen haben wir hier auch was ganz tolles, mit Pflanzenexperimenten.“

Wir gehen ein paar Schritte weiter zu einem Baukasten, lila-pink mit Feen (!) darauf. Es wird erklärt, dass man Mädchen ja damit schön an die Pflanzenwelt heranführen kann und dass das ja ganz toll wäre, blah, blah. Dann noch was von Biene Maja. Nix Naturwissenschaft, sondern Papierblüten, die im Wasser dann „ganz wie die echten“ (Zitat) aufgehen sollen. Ja, toll, aber warum sollen denn Mädchen mit so einem Quatsch spielen? Warum sollte man sie an die Pflanzenwelt heranführen, wenn Pflanzen nicht als biologische Objekte, sondern nur als bunte Blumen dargestellt werden?

Könnte man bitte mal wenigsten wahrnehmen, dass wir uns *bewusst* diesen einen Baukasten angeschaut hatten? Wenn ich was Dämliches und Buntes will, kaufe ich Zeug von Prinzessin Lillifee. Danke, das kriege ich schon selbst hin.

Ich beherrsche mich, halte keinen Vortrag über die Genderthematik und darüber, dass ich es unmöglich finde, wenn heutzutage noch derartig platte Klischees kolportiert werden. Spielzeug ist sowieso was das Geschlechter(vor)bild betrifft, nach wie vor eine einzige Katastrophe. Dass aber vom Personal in Spielzeugläden nicht einmal in Betracht gezogen wird, dass man für seine (Skandal!) Tochter einen (Blasphemie!) wissenschaftlichen Experimentierbaukasten kaufen will, ist wirklich ein starkes Stück. Demnächst werden dann die Abteilungen für Mädchen und Jungen noch in verschiedene Stockwerke verlegt, ja? Hätte natürlich einen Vorteil, wenn die lieben Kleinen später irgendwann in der Türkei studieren sollten, dann wären sie schon dran gewöhnt.

Dümmer als ein Zombie

Der gemeine Hirnfresser zeichnet sich im Allgemeinen nicht durch einen hohen IQ aus. Zumeist reicht es gerade dafür, potentielle Nahrung zu verfolgen und sich diese dann einzuverleiben. Verglichen mit „Resident Evil – Retribution“ wäre besagter Hirnfresser aber intellektuell auf dem Niveau eines Nobelpreisträgers in theoretischer Physik.

Oder anders ausgedrückt: Der Film ist so dermaßen bescheuert, dass selbst mich als Milla-Fan, der automatischen Waffen, blutigen Zombie-Shootouts und Videogame-Inszenierung durchaus etwas abgewinnen kann, einfach nur das kalte Grausen packt.

httpv://www.youtube.com/watch?v=A2_wup1YOqA

Waren ja die ersten vier Teile schon inhaltlich nicht gerade schwere Kost (was bei der Umsetzung eines Survival-Horror-Spiels auch niemand erwartet hätte), so toppt „Retribution“ alles, was an Negativem über die Filmreihe zu sagen ist. Auf eine Story wird diesmal gleich komplett verzichtet, stattdessen reihen sich unzusammenhängende Versatzstücke innerhalb der hanebüchenen Geschichte aneinander. Da wird mit großkalibrigen Waffen im Dauerfeuer auf ein Gebäude geschossen, es sind aber keinerlei Einschüsse zu sehen, da schafft es Ada Wong, von der Mitte eines Raumes aus sämtliches Sicherheitspersonal umzulegen, obwohl dieses hinter diversen Terminals sitzt, die das Schussfeld blockieren, da platziert Umbrella dieses total effektive Umprogrammierungsdingens direkt auf der Brust von Jill Valentine, so dass Alice nur einmal zugreifen braucht, um es zu entschärfen (das ist ähnlich sinnvoll wie den Schutzschildgenerator des Todessterns nicht im Inneren desselben, sondern auf einem nahegelegenen und angreifbaren Mond zu bauen), da ist das CGI-Gemetzel so sauber inszeniert, dass es noch unrealistischer wirkt (keine Blutspritzer an den Wänden) … und so weiter. Seelenlos und einfach ärgerlich hingeschludert. Selbst die Oneliner sind dieses Mal noch eine ganze Ecke dämlicher ausgefallen, wobei ja auch die Vorgänger schon nicht unbedingt Tarantino-Stil aufwiesen, was die Dialoge anging.

Und das offene Ende. Ja, jetzt muss nur noch die Red Queen plattgemacht werden, die nun plötzlich die gesamte Menschheit ausrotten will. Was? Wieso? Versteht das irgendwer? Wo die Teile 1-4 wenigstens noch versucht haben, irgendeine Geschichte zu erzählen, macht man sich diesmal nicht mal mehr die Mühe, das auch nur zu heucheln. Habe ich schon erzählt, dass die Super-Duper-Spezialeinheit, die Alice & Co. retten soll, aussieht wie ein paar Models aus einem Katalog für Herrenmode? Militärische Ausrüstung? Körperpanzerung? Zeug, um es in arktischem Klima auszuhalten? Nee, braucht doch keiner. Die machen das auch so. Und überhaupt, das Setdesign. Lagen da noch Requisiten von „Equilibrium“ herum, oder wie? Guter Film übrigens. Die Rüstungen der Bösen haben mich sehr an den Film von Kurt Wimmer erinnert.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals schreiben würde, aber heute wäre wohl der „Tatort“ mit Til Schweiger die bessere Alternative gewesen.

Ich muss ins Bett.

Sünden und Böcke schießen

Das mit der Rationalität ist ja so eine Sache. Da passieren schlimme Dinge und Schuldige müssen her. Nun wäre die Suche nach Ursachen angesagt und die Bekämpfung dieser. Bei einem, sagen wir, Unfall in einem Atomkraftwerk würde analysiert, an welcher Stelle Fehler gemacht wurden, es würde technisches und menschliches Versagen untersucht und schlussendlich eine möglichst objektive Klärung angestrebt. Niemand käme wohl auf die Idee, in so einem Fall die Darstellung von Sicherheitsvorkehrungen im Atomkraftwerken wie etwa in den „Simpsons“ verantwortlich für Katastrophen zu machen. Im Zusammenhang mit Geisterfahrern, Massenkarambolagen und ähnlichen Verkehrsunfällen habe ich noch nie davon gehört, dass Unfallverursachern vorgeworfen worden wäre, vorher mit Rennspielen wie „Burnout“, „Need for Speed“ oder „Flatout“ die Unfälle „trainiert“ zu haben. Auch kann ich mir schwerlich vorstellen, dass Einbrecher und Diebe die „Thief“-Spiele als Trainingsgrundlage herangezogen haben. Und dass das Spielen der „GTA“-Reihe junge Menschen nicht reihenweise zu Straßengangstern macht, steht wohl außer Frage. Oder?

Warum also wird bei Amokläufen, zumeist mit Schusswaffen begangenen, in den allermeisten Fällen sofort eine direkte Kausalbeziehung zu Spielen mit gewalthaltigem Inhalt unterstellt? Wenn eine derart einfache Ursache-Wirkung-Beziehung vorhanden wäre, müssten solche Gewalttaten überall relativ gleichmäßig verteilt auftreten, wo das Medium Computer- oder Videospiel verfügbar ist. Interessanterweise zeigt die Statistik eine auffällige Häufung von Amokläufen in den USA und Europa. Von den 32 Amoktaten entfallen allein 16 auf die USA. Asien, auch ein Riesenmarkt für Videospiele, taucht einmal auf. Schon hier könnte der Verdacht aufkommen, dass es vielleicht doch noch weitere Ursachen für Amokläufe gibt.

Wie auf gamestar.de zu lesen, schiebt die US-amerikanische Schusswaffenlobby der Gewalt in den Medien die Verantwortung für Amokläufe zu. Ich kann mir richtig vorstellen, wie die NRA-Oberen in ihren marmorgetäfelten Tagungssälen sitzen, die 1911er auf dem Tisch und sich darüber ereifern, dass natürlich immer die Anderen Schuld sind.

Tendenziell habe ich gar nichts gegen Waffen in Privatbesitz, sofern gewährleistet werden kann, dass diese nicht für Bluttaten eingesetzt werden. Das ist natürlich quasi unmöglich, also bedeuten legale Waffen immer einen Anstieg des Risikos. Andererseits gibt es absolut keine Notwendigkeit dafür, Schusswaffen und noch dazu automatische, an Privatleute zu verkaufen. Das allseits beliebte Argument, dass Waffen gegen Amokläufe und ähnliche Taten schützen, entkräftet sich von allein, denn in keinem mir bekannten Fall hat ein Waffenträger (und davon soll es in den US of A ja einige geben), einen Amoklauf verhindern können. Das ist ähnlich wie bei der Videoüberwachung „zu unserer eigenen Sicherheit“, die auch kein aktuell begangenes Verbrechen verhindern, sondern allenfalls bei der Aufklärung helfen kann.

Natürlich ist es einfach, Spielen wie „Dishonored“ mit seiner expliziten Gewaltdarstellung oder Shootern wie „Call of Duty – Modern Warfare 2“ mit Sequenzen wie der berüchtigten Flughafenszene zu unterstellen, aus Menschen Massenmörder zu machen. Abgesehen davon, dass es für diese These keinen wissenschaftlich haltbaren Beweis gibt und meiner Meinung nach auch niemals geben kann (weil bereits die Grundannahme falsch ist), besteht immer noch ein qualitativer Unterschied zwischen jemandem, der auf der Straße mit bloßen Fäusten auf jemanden einschlägt und jemandem, der mit hunderten Schuss Munition und einem Sturmgewehr in eine Schule stürmt und um sich schießt. Die Verfügbarkeit und, wichtiger noch, das Training im Umgang mit Schusswaffen, ermöglichen es Menschen überhaupt erst, Waffen zum effektiven Töten von Menschen einzusetzen. Das Argument, dass sich Fähigkeiten im Umgang mit Schusswaffen virtuell erlernen ließen, kann sich ausschließlich auf die Theorie beziehen. Wer einmal mit echten Waffen geschossen hat (bei mir erstreckt sich diese Erfahrung lediglich auf meine Wehrdienstzeit), wird mir hier beipflichten. Urteile aller anderen Menschen sind haltlos, da diese von Dingen sprechen, von denen sie keine Ahnung haben. Niemand lernt in CounterStrike, mit einer AK-47 zu schießen. Ganz sicher nicht.

Aber halt, an genau dieser Stelle kommen Schützenvereine und dergleichen ins Spiel. Diese ermöglichen echtes Training, während Computerspiele das Training bestenfalls in engen Grenzen simulieren können. Schaut man sich die Präzision an, mit der die Mehrzahl der Amoktäter ihre Taten begeht, muss ein hohes Maß an Training angenommen werden. Kein Laie schießt in einer Stresssituation aus der Bewegung auf sich bewegende Ziele und trifft.

Die Verfügbarkeit von Waffen und Waffentraining sind diesbezüglich verantwortlich für die Anzahl der Toten bei Amokläufen. Ausschlaggebend für die Tat selbst sind diese indes nicht, zumindest aus meiner Sicht. Hier liegen die Gründe oftmals in psychischen, familiär oder sozial bedingten Problemen, die sich dann gewalttätig entladen. Eine Kombination aus auslösenden Faktoren, dem Zugang zu Waffen und zur Übung, gepaart mit Ignoranz und Naivität im Umkreis der Person, bilden die Ausgangslage für einen Amoklauf. Computerspiele sind allenfalls ein Faktor in der Kette, weder sind sie die Ursache noch bieten sie die Möglichkeit, reales Töten zu üben.

Aber eher friert die Hölle zu, bevor die NRA auch nur darüber nachdenken würde, ob Zivilisten teils besser bewaffnet sein müssen als die Streitkräfte. Man braucht schließlich eine 30-schüssige Automatikwaffe und einen Keller voll Munition, um sich vor Einbrechern zu schützen.

Klar.

Sinnlos im Weltraum. Und doof.

Ich mag ja so science-fiction Zeug. Es darf auch gern LowBudget sein, solange Story und Atmosphäre in Ordnung gehen. Am Wochenende habe ich mir also „Prometheus Trap“ aus der Videothek geholt. Dass hier Trittbrett beim Blockbuster (fast) gleichen Namens gefahren wird, ist mehr als offensichtlich. Allerdings hinterlässt der Film selbst bei beinharten Sci-fi Fans wie mir einen schalen Beigeschmack. Story, Ausstattung und Schauspieler gehören zum Schlechtesten, was ich lange gesehen habe. Und das will was heißen.

Cryoschlafkammern, die aus einem Plastik-Wäsche-Sack bestehen, in dem die „Schlafenden“ stehen, mit einem Plastikschlauch zur Beatmung. Sonst nix. Keine Kühlung, nix „Cryo“ also. Da wird der Plastiksack aufgemacht, Schlauch aus dem Mund gezogen und nach zwei, drei Hustern sind die Raumfahrer wach. Klaro. Aber gut, „Lexx“ und Konsorten sind ausstattungstechnisch auch übel, aber haben wenigstens Trash-Charme.

Schlimmer wiegt da, dass die Story einige Logiklücken aufweist. Es gibt ja in „Prometheus Trap“ die (prinzipiell) immer gute Idee eines Zeitparadoxons. Leider ist das nicht komplett durchdacht worden. Also: Die dreiköpfige Crew eines kleinen Schiffs, darunter der Android Finn, stößt auf den Frachter „Prometheus“ und geht an Bord, um ein mysteriöses Waffensystem zu bergen. An Bord angekommen treffen sie auf einen weiblichen Androiden (Artemis), der in der Lage ist, schon vorher zu wissen, was die anderen sagen werden. Uhh, ahh, spannend. Anfangs. Dann stellt sich heraus, dass offenbar eine Zeitschleife vorliegt, denn Artemis erzählt Finn, dass genau dieses Szenario schon hunderte Male stattgefunden hat. Soweit, so gut. Am Ende sind alle tot, das Schiff wird zerstört, die Zeitschleife beginnt von Neuem. Plötzlich erinnert sich Finn, dass er schon mal hier war (Androiden speichern ihr Gedächtnis nämlich außerhalb des Körpers, im Hyperraum!!), er weiß daher, dass Artemis auf sie wartet. So, an dieser Stelle sollte der aufmerksame Leser stutzig werden. Wie kann es sein, dass Artemis sagt, die Schleife habe ich schon hunderte Male wiederholt, Android Finn davon aber nichts weiß, sondern sich erst jetzt daran zu erinnern beginnt? Schwarzes Logikloch, würde ich sagen. Sowas verdirbt mir einen Film ganz gehörig. Und am Ende sieht Finn nur den Ausweg, das Waffensystem aus dem Schiff zu befördern (dieses war natürlich die Quelle des Zeitphänomens) und das Schiff zu vernichten…statt einfach zu verhindern, dass irgendwer die Selbstzerstörung aktiviert, wie es jedes Mal zuvor geschehen ist. Naja, Logik ist auch total überbewertet.

Doofer Film mit grottiger Ausstattung, schlechten Schauspielern und löchriger Story. Bäh.

Aber für diejenigen, die sich auch von sowas nicht abschrecken lassen:

Trailer „Prometheus Trap“
httpv://www.youtube.com/watch?v=AAARklnnfb4

Aber hier noch mal ein Film, der mir trotz simplem Setting sehr gut gefallen hat:

„Alien Cargo“ 1/6
httpv://www.youtube.com/watch?v=HwJ_WbzK01U

Digitale Hemmschwellensenkung

Klar, so ein Tweet schreibt sich schnell, ist in Windeseile verbreitet und ehrlich, wer liest die denn alle? Niemand. Aber heikel kann es werden, wenn dann doch jemand den beleidigenden, verleumnderischen oder einfach voreilig verfassten Text zu lesen bekommt, den man in Rage oder in Unkenntnis der Tatsachen verfasst hat. Da werden vorschnell Urteile gefällt, die eigene wenig reflektierte Meinung wird in die Welt hinausposaunt und wenn das erst mal geschehen ist, vergisst man schnell, was man das soeben getippt hat. Und besser noch, automatisierte Verbreitung in diverse Netzwerke sorgen dafür, dass auch noch jeder letzte Winkel der eigenen Social Media-Sphäre mit den brandneuen Infos versorgt wird. Meist ist das harmlos, wen kümmert im Netz schon meine Meinung?

Doch wie im Artikel auf taz.de beschrieben, werden Äußerungen auf facebook, twitter & Co. gern auch mal zum Thema rechtlicher Auseinandersetzungen. Freie Meinungsäußerung hin oder her, wenn jemand öffentlich (und nichts anderes ist es, wenn man sowas auf Twitter schreibt) andere diffamiert, kann das schnell rechtliche Konsequenzen haben. Das ist ja gewissermaßen dasselbe, als würde man Botschaften mit beleidigendem Inhalt an Hauswände schmieren, oder auf Flyer drucken und diese in der Stadt verteilen, aber das macht natürlich niemand. Warum eigentlich? Weil man dabei ja erkannt werden könnte. Bei facebook oder Twitter hingegen werden plötzlich jegliche Skrupel abgeschaltet, es wird hinter dem vermeintlich sicheren Schleier der Anonymität mit Dreck geworfen, Halbwissen wird ohne es zu hinterfragen weiterverteilt, bloße Mutmaßungen werden als Tatsachen angesehen. Klar, all das hat es auch vor dem Netz2.0 schon gegeben, aber heute können sich Trolle & Co. viel schneller und effizienter Gehör verschaffen. In gleichem Maße gewinnen falsche Verdächtigungen, öffentliche Bloßstellung, Beleidigungen und andere Angriffe an Brisanz, denn was vorher nur das Geschwätz irgend welcher Idioten war, ist nun das sofort weltweit für alle lesbare Geschwätz irgend welcher Idioten.

Dabei ist es zum Teil wirklich erschreckend, was Menschen in sozialen Medien veröffentlichen. Hier wird zum einen offenbar das Hirn abgeschaltet, bevor der „Senden“-Knopf gedrückt wird, zum anderen nutzen Radikale jeglicher Coleur das Netz bewusst für ihre Zwecke. Das gehört zu den Schattenseiten des weitestgehend unzensierten Netzes. Der Klassiker sind ja nach wie vor Fotos oder Informationen über das eigene Leben, die im besten Fall unvorteilhaft und im schlimmsten karriereschädigend oder gar strafrechtlich relevant sein können. Ich habe in meinem damaligen Job in einigen deutschen und internationalen Social Networks recherchiert und stieß dabei u.a. auf ein Nutzerprofil in einem deutschsprachigen Netzwerk, das offen und unverhohlen rechtsextremes Gedankengut propagierte. Da prangte als Profilbild Adolf Hitler und im eigenen Gästebuch war eine Hakenkreuzflagge eingestellt. Das Profil war  öffentlich sichtbar, auch Nichtmitglieder hatten freien Zugang dazu. Außer mir schien das bis dato niemanden gestört zu haben, zumindest hatte ganz offensichtlich kein anderer User das Profil gemeldet. Nachdem ich eine E-Mail an die Betreiber der Plattform schickte und auf Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch verwies, wurde das betreffende Profil keine fünfzehn Minuten später gesperrt. Sauer aufstoßen mag einem hierbei die Tatsache, dass die Mitglieder des Netzwerkes offenbar keinen Anstoß an derartigen Profilen genommen haben.

Radikalismus, Pöbeleien, vorsätzliche falsche Beschuldigungen und Hetze im Netz sind beileibe keine neuen Phänomene. So etwas gibt es seit den Anfangstagen der Online-Kommunikation. Doch durch die virale Informationsverteilung und das schwindende Vermögen vieler Nutzer, wahr und unwahr voneinander unterscheiden zu können, ist es heute so einfach und schnell wie nie zuvor möglich, gezielt schädliche (Des)Informationen zu streuen. Dagegen hilft nur, genau wie im „richtigen“ Leben misstrauische zu sein, Dinge zu hinterfragen und als aktiver Teil des Netzgemeinschaft (ja, ein Unwort, an dieser Stelle aber passend) tätig zu werden, wenn einem Dinge auffallen. Seinen das nun Hakenkreuze oder beleidigende Tweets.

Wer sich im Netz daneben benimmt, wird, sobald das publik wird, schnell und mit aller Macht an den Pranger gestellt (siehe auch: „Shitstorm“). Doch wie immer gilt hierbei, dass blinder Aktionismus schadet. Lieber einmal mehr nachgelesen, bevor ein Tweet oder Post geteilt wird. Der nächste Hoax kommt bestimmt, ich denke da an die „Ich-widerspreche-den-facebook-Richtlinien“-Dinge, die vor einiger Zeit rumgingen, unsägliche Kettenbriefe und dergleichen.

Wunsch und Wirklichkeit

Wunsch und Wirklichkeit

Ja, so ist das mit der Logik. Da wird festgestellt, dass zuwenige Kinder geboren werden, es wird eine Reihe von mehr oder weniger sinnvollen Neuerungen eingeführt und hinterher stellt sich heraus, dass das Problem nicht gelöst wurde. Was sollten wir daraus lernen? Die eingeführten Instrumente (im Großen und Ganzen „etwas mehr Geld für Eltern“) haben das Problem nicht gelöst, weil sie offensichtlich an der falschen Stelle ansetzen. Welche Überraschung.

Ich habe dazu auch schon mal gebloggt.

SpOn widmet dem Thema heute einen Artikel. Da lässt man sich zu Aussagen wie „Hochqualifizierte verzichten ganz auf Nachwuchs“ hinreißen, was natürlich in absoluten Zahlen stimmen mag, aber dennoch der gefühlten Realität komplett widerspricht. In meinem Bekanntenkreis, der zum überwiegenden Teil aus Akademikern besteht, haben, bis auf eine Handvoll Ausnahmen, alle Frauen Kinder. Wie auch SpOn etwas zaghaft anspricht, scheint das Problem vielmehr an anderer Stelle zu liegen: im antiquierten Weltbild der Menschen in einigen Teilen unseres Landes. Das, in Kombination mit seltsamen Vorstellungen von Arbeitgebern (vgl. „alter Arbeitgeber“), anachronistischen politischen Fraktionen (ja, ich meine dich, CDU/CSU) und einer Politik, die nicht so wirklich Lust hat, das Kinderkriegen attraktiv zu machen (wo bleibt sie denn, die kostenlose, flächendeckende Kinderbetreuung?) führt dazu, dass mehr und mehr Menschen keine Lust mehr auf Kinder haben.

Alle Egoisten also? Mitnichten. Ich kann jeden verstehen, der keine Lust hat, sich neben all den Strapazen des regulären Alltags auch noch Kinder ans Bein zu binden. SpOn schreibt ja auch, dass Kinder für viele Menschen heutzutage nicht mehr Quell von Spaß und Freude sind. Aber Moment: Liegt das an den Kindern, oder vielmehr an der Situation in unserem Land? Sind wir mal ehrlich,  von politischer Seite wird eher versucht, Probleme zu umschiffen, statt diese tatsächlich anzugehen. Die „Herdprämie“ zum Beispiel ist doch einzig ein Instrument, um die präkäre Kitaplatz-Situation in Süddeutschland zu verschleiern. Niemand kann guten Gewissens behaupten, dass es für ein Kind das Beste sein kann, drei Jahr künstlich von anderen Kindern fern gehalten zu werden. Und, ach ja, das löst ja auch gleich noch ein anderes Problem: die Arbeitslosigkeit. Mütter, die staatlich subventioniert dem Arbeitsmarkt fernbleiben dürfen, wirken sich positiv auf diverse Statistiken aus. Das Tapfere Schneiderlein wäre stolz, so viele Fliegen mit einer Klappe. Respekt. Und das alles unter dem Deckmantel der Familienförderung.

Es hat natürlich auch damit zu tun, wie sehr das eigene Umfeld unterstützt. Hat man einen Arbeitgeber, der Angestellten mit Kindern positiv gegenübersteht, flexibel und verständnisvoll ist und begreift, dass Menschen mit Familie sehr wohl einen guten Job machen UND eine Familie haben können (vgl. „neuer Arbeitgeber“), geht das alles schon irgendwie. Das mag nicht die Regel sein, leider, aber jeder hat schließlich die Wahl, mit welchem Arbeitgeber er/sie sich einlässt. Solange man es sich als Frau wirklich gut und lange überlegen muss, ob man das Risiko eingeht, ein Kind zu bekommen, solange läuft bei uns etwas grundlegend falsch.

Im Kontext des Artikels finde ich überdies den Terminus „Kinderwunsch“ sehr unpassend gewählt, denn ich glaube nicht, dass die Deutschen sich weniger Kinder „wünschen“. Sie entscheiden sich aus ökonomischen, egoistischen oder was auch immer für Gründen bewusst dagegen, welche zu bekommen, aber das hat mit dem „Wünschen“ nicht viel zu tun. Wenn ich mir wünsche, irgendwann etwas  zu tun, aber die äußeren Umstände es nicht erlauben, ist der Wunsch dennoch da. Hier werden in meinen Augen Ursache und Wirkung durcheinander gewürfelt, denn wären die Bedingungen für Menschen mit Kindern hierzulande besser, hätten (mit Sicherheit!) auch mehr Menschen mehr Kinder.

Aber das würde ja tatsächlich ein politisches Interesse an Familienförderung  voraussetzen und nicht nur Lobbyismus wie jetzt. Es ist also nicht anzunehmen, dass sich an der Situation für Eltern in absehbarer Zeit viel ändert.

Ein X für ein Y vormachen

Ich gebe es zu: offiziell bin ich zu alt. Zu alt, um zur „Generation Y“ zu gehören. Zwei Jahre zu alt, um genau zu sein. Von dem, was besagte neue Generation fordert, nämlich u.a. ein Privatleben neben dem Job, halte ich allerdings sehr viel.

Niedlich fast, wie im Artikel auf SpOn dargestellt wird, dass Unternehmen „verunsichert“ sind, was diesen neuen, merkwürdigen Menschentyp angeht, der so gar nicht in die erfolgsorientierte Schublade derer passen möchte, die man mit ein paar gut klingenden Titeln und einem dicken Gehalt nach Herzenslust auspressen konnte. Die Welt dreht sich weiter, würde ich meinen, und so ändert sich auch die Einstellung zur Karriere und zum Privatleben.

Ganz ehrlich: Ich suche mir einen Arbeitgeber, der mir etwas bieten kann, das ich für mich möchte und biete im Gegenzug meine Arbeitsleistung, Motivation und Kreativität an. Wenn mir die Rahmenbedingungen nicht gefallen, dann suche ich mir was anderes. Ich sehe meine Familie als wichtiger an als meinen Job, so wie das meiner Meinung nach auch sein sollte. Wenn ich merke, dass mein Familienleben unter meinem Job leidet, keine Besserung in Sicht ist und die Strukturen bei meinem Arbeitgeber sich auch langfristig nicht bessern werden – dann gehe ich. Ist ja nicht so, dass ich nichts anderes finden würde. Gut, dass die Arbeitswelt zunehmend nicht mehr nur von den Managertypen regiert wird, die 70 Stunden die Woche im Büro hocken und einen Berg Geld verdienen, den sie mangels Freizeit und/oder Familie gar nicht sinnvoll loswerden können. Mehr und mehr wird ja tatsächlich erkannt, dass Menschen produktiver und motivierter sind, wenn ihnen dabei geholfen wird, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, statt nach wie vor zu verlangen, dass der Job an erster Stelle steht. Seit die Generation der Arbeitnehmer emanzipiert genug ist zu sagen: Nee, so nich! hat hier wohl endlich ein Umdenken eingesetzt.

Technisch gesehen gehöre ich noch zur „alten“ Generation (ja, und ich habe noch ein Diplom von der Uni. Sowas richtig altes. Verrückt, was?), von der Einstellung und dem Gefühl her aber absolut nicht. Für mich ist kreative Entfaltung wichtig, ein Job der mir menschlich etwas bringt, nicht nur materiell. Ich brauche das Gefühl, etwas aus meinem Leben zu machen, auf das ich später zurückblicke und sage: Ja, Mann, da hast Du was Gutes geschaffen. Ob das ein Job als Angestellter sein muss? Oder eher was Freiberufliches, Künstlerisches? Oder vielleicht was ganz anderes? Oder alles zusammen? Keine Ahnung. Jedenfalls sehe ich mein Leben als dynamisches Konstrukt aus vielen Facetten an, nicht als statischen Entwurf eines Karrierestrebens oder als Jagd nach Titeln, die letztlich nur Worthülsen sind.

Motivierend hingegen finde ich es, dass die Arbeitswelt zunehmend daran interessiert ist, nicht mehr nur die glattgebügelten Einheitstypen im Möchtegern-Manager-Look einzustellen, sondern nach Persönlichkeiten sucht, die sich durch Individualität kennzeichnen. Ich habe mir vorgenommen, niemals einen Job anzunehmen, in dem ich mich gegen meinen Willen verkleiden oder verstellen muss. Dabei gehe ich ja in den allermeisten Fällen durchaus zivilisiert gekleidet aus dem Haus, so ist es ja nicht. Aber Anzugzwang oder steife Geschäftstermine mit uniformierten Business-Typen, deren Persönlichkeit bei der Auswahl der Krawattenfarbe endet? Nein, danke. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass viele Menschen nach wie vor der Meinung sind, dass „Seriösität“ durch eine „angemessene“ Kleidung entsteht, aber das ist nichts als Mummenschanz. Ich möchte das nicht.

Ob nun X oder Y, letzten Endes wird sich die Arbeitswelt darauf einstellen müssen, in Zukunft das Bewusstsein zu entwickeln, dass Arbeitnehmer nicht länger nur Bittsteller, sondern auch Forderer sind. Diese Zwang, die eigenen Strukturen zu modernisieren, sich daran zu gewöhnen, dass Menschen nicht mehr aus Abhängigkeit in einem bestimmten Job arbeiten, sondern weil sie es wollen, wird Unternehmen motivieren (müssen), althergebrachte Vorstellungen loszuwerden. Und das ist auch gut so.

Vampire, Hexen und dämliche Plots

Ich bin ja so ein Typ, der in eine Videothek marschiert, dort eine gefühlte Ewigkeit verbringt, ohne sich für einen Film entscheiden zu können und dann unverrichteter Dinge wieder abzieht. Ich suche eher nicht nach langweiligem Standard-Mainstream, sondern nach den kleineren, gemeinen Filmen. Diese müssen dann vom Plot her auch noch in etwa meinen Geschmack treffen und sollten, wenn es sich um härtere Vertreter handelt, auch nicht geschnitten sein. Das schränkt die Auswahl immens ein, denn nach wie vor kommen sehr viele Filme in teils böse verstümmelten Fassungen (ironisch eigentlich, das z.B. über einen gekürzten Splatterfilm zu sagen) in die Videotheken. Aber es muss ja nicht immer viel Blut fließen.

Dieses mal nahm ich drei Filme mit, dem 3×3-Angebot (3 Filme für 3 Tage für insgesamt 5 Euro) sei Dank. Hätte ich gewusst, was mich erwartet, hätte ich mir das noch mal überlegt.

An anderer Stelle hier im Blog hatte ich vor einer ganzen Weile bereits mal den Film „The Hamiltons“ erwähnt, den ich insgesamt ganz gut gelungen fand. Nicht zu plakativ, halbwegs glaubhaft und angenehm unaufdringlich wurde eine Story über eine auf den ersten Blick ganz normale Familie präsentiert. Auf den zweiten Blick entpuppten sich die Hamiltons allerdings als Quasi-Vampire, zwar menschlich, aber mit unstillbarem Blutdurst. Nun stand also mit „The Thompsons“ der Nachfolger im Regal (gleiche Familie, anderer Name, da man sich aus dem Staub machen musste). Uncut, nach Aussage auf dem Cover. Ach, der hätte so gut sein können.

Trailer: „The Thompsons“

Die Ausgangslage des Film ist durchaus spannend, der Anfang fällt auch mit ein wenig Blut, skurrilen Personen und einer sich nach und nach aufdeckenden Geschichte ganz annehmbar aus. Ab der Mitte des Films offenbaren sich jedoch deutliche Schwächen. Die Charakterzeichnungen sind schablonenhaft, die Geschichte wird laienhaft erzählt, die Kampfszenen und Special Effects sind einfach schlecht. Alles in allem ein ärgerlicher Film, weil hier mit mehr Story und weniger schlecht gemachter Action deutlich mehr drin gewesen wäre. Statt  „The Thompson“ empfehle ich eher den ersten Teil „The Hamiltons“.

Hmm, das konnte ja eigentlich nur besser werden. Dachte ich.
Also Film Nr. 2 angeschaut: „Airborne – Come Die With Me“. Zugegeben, ich habe Trash erwartet und war dennoch besonders vom Drehbuch derartig unterwältigt, dass es beinahe schmerzte. Aber first things first. Wo fange ich an? Trailer!

Trailer: „Airborne – Come Die With Me“

Ja, das ist Mark Hamill. Wer? Na, Luke Skywalker! Mann, es muss wirklich schlecht um seine Karriere stehen, wenn er solche Filme drehen muss. Also, worum geht es? Ein abgelegener Flughafen, irgendwo, tut nichts zur Sache. Eine bunt zusammen gewürfelte Truppe von Fluggästen will den letzten Flug an diesem Tag nehmen, der trotz eines aufziehenden Super-Duper-Sturms noch starten darf. Ist klar, oder? Man sieht, dass irgend ein Frachtstück in einer ominösen Kiste in die Maschine geladen wird und dass Agenten des SIS (wofür immer die auch zuständig sein mögen) irgendwas damit zu tun haben. Daneben sind noch ein großkotziger Waffenhändler mit zwei Bodyguards, zwei Soldaten und ein paar andere Personen mit von der Partie. Flugzeug startet, nach und nach verschwinden Personen an Bord. Parallel bekommt man mit, dass die SIS Agenten am Boden geblieben sind, was merkwürdig erscheint bei einer doch offenbar so wertvollen Fracht. Es stellt sich nämlich heraus, dass es sich dabei um eine antike chinesische Vase im Wert von 100 Millionen Dollar handelt. Soweit, so unspannend. Ja, dann kommt heraus, dass eine der Flugbegleiterinnen und einer der Bodyguards des Waffenhändlers gemeinsame Sache machen, um die Vase zu klauen. Ach ja, in der Vase wohnt übrigens der Geist eines Donner-, Toten- oder Was-auch-immer-Gottes, der auch noch seine Finger im Spiel hat. An Bord wird also gestorben, der Gott aus der Vase übernimmt ein paar Personen, letztlich lassen die verbliebenen Personen das Flugzeug ins Meer stürzen, um zu verhindern, dass das Böse das Festland erreicht. Das klappt nicht ganz, wie man am Ende sieht.

Klingt gar nicht sooo übel? Ja, ich habe ja auch noch nicht erwähnt, dass es einen Mini-Nebenplot gibt, in dem es darum geht, dass eine der ursprünglich für den Flug vorgesehenen Flugbegleiterinnen angeblich einen Ersatzmann geschickt hat, der dann auch an Bord geht. Als die Verhinderte aber nach dem Take-off am Flughafen eintrifft, weiß sie nichts von einer Vertretung. Klarer Fall, der Ersatzmann ist einer von den Bösen!! Weit gefehlt, dieser Handlungsstrang wird überhaupt nicht (!) mehr verwendet! Die ganze Sequenz ist absolut sinnlos. Hat man hier beim Drehen schlicht vergessen, das noch mit einzubauen? Wer schreibt denn solche Drehbücher? Dass die Agenten nicht mit an Bord gehen, stattdessen aber der neue Eigentümer der Dämonenvase mitfliegt und dieser auch darüber Bescheid weiß (!), dass ein uraltes Böses in seiner Vase wohnt, mag da schon kaum mehr zu stören. Klaro, ein Artefekt von gigantischem Wert mit bösem Inhalt wird per Linienflug während eines aufziehenden Sturms ohne Begleitschutz an Bord über den großen Teich geschickt. Realismus pur. Bäh, was für ein Mist. Hätte charmanter Trash werden können, ist letztendlich aber nur Grütze.

Zum Schluss aber noch ein winziger Lichtblick in Form des dritten Film an diesem filmisch betrachtet eher miesen letzten Wochenende. „Twixt“ hieß das gute Stück, ein ziemlich aufgedunsener Val Kilmer spielt die Hauptrolle. Selbstironie und eine wirklich gute Optik kennzeichnen diesen zwar von der Geschichte her düsteren, aber dennoch eher lockeren Film.

Trailer: „Twixt“

Val Kilmer als abgehalfterter Autor von Hexenromanen landet in einer Kleinstadt, die ihre eigene Gruselgeschichte über einen Massenmord hat. Edgar Allan Poe spielt mit, das Make-up von „V“ ist wirklich nett, es gibt einen recht sinnfreien Nebenplot mit einer Gruppe Gothics (!) und besonders die an „Sin City“ erinnernden Szenen im Film-Noir-Stil wissen wirklich zu gefallen. Mehr als einmal fühlte ich mich an Twin Peaks erinnert, was durchaus ein positives Urteil ist. Zwar endet der Film, der zwischenzeitlich quasi eine Geschichte in der Geschichte (nämlich den Plot des neuen Romans der von Kilmer verkörperten Figur) erzählt, sehr abrupt, aber hinterlässt eher ein gutes Gefühl. Über weite Strecken ist „Twixt“ eher skurril als gruselig und sitzt filmisch zwischen einigen Stühlen. Es ist kein Horror, kein Mystery im klassischen Sinne und auch kein Krimi. So richtig witzig ist der Film auch nicht, es herrscht eher trockene Selbstironie vor. Ich fand ihn gut. Vielleicht lag das aber auch an den miesen Machwerken, die ich mir zuvor angeschaut hatte. Der Trailer wirkt übrigens weit actionreicher, als der Film letztlich ist.

So, dann lieber noch etwas Dexter. Da weiß man, was man hat.

Facepalm-Zeit im Copyshop

Ich musste heute einen Copyshop aufsuchen und wollte dort etwas ausdrucken. Zwanzig vor vier war es, um 16 Uhr würde der Laden schließen – ich war etwas spät dran. So, rein und gefragt, welcher Rechner denn frei wäre. Keiner. Toll. Also hieß es warten.

An den beiden Maschinen, die für mein Anliegen in Frage kamen, mühten sich zwei Damen ab, irgend welche Dinge auszudrucken. Dachte ich. Beim Warten und Beim-Scheitern-Zuschauen erhaschte ich einen Blick auf eines der Dokumente, die dort ihres Ausdrucks harrten. Sieh an, eine Bewerbung bei einer Bundesbehörde. Na, da bewerben sich doch nur die Fittesten der Fitten, dachte ich. Doch bereits nachdem mich der unglaublich unfreundliche und ekelhaft auf seinen super-duper-pünktlichen Feierabend bedachte Copyshop-Lakai darauf hinwies, dass der Laden in 15 Minuten schließen würde und mit Blick auf die beiden Damen meinte „dass das wohl heute nichts mehr wird“, kamen mir Zweifel. Am zweiten Rechner mühte sich indes eine ältere Asiatin ab, irgendwas zu tun und hatte sich dazu in ein GMX-E-Mailkonto eingeloggt. WTF? dachte ich, ist doch hier kein Internetcafé. Aber gut, ich bin jung, ich kann warten.

Nach gefühlten zehn der ursprünglich verbliebenen 15 Minuten sprach mich die Asiatin an und fragte mich, wie sie denn herausfinden könne, ob ein bestimmtes Buch bei ebay erhältlich sei. Ich empfahl, statt bei GMX direkt bei ebay zu suchen. Auf die Frage hin, wie das denn ginge, tippte ich (!) am von ihr benutzten Rechner http://www.ebay.de ein. Danach galt es die Frage zu klären, wie man denn bei ebay sucht. Ich (!) tippte daraufhin den Namen des Buches und den des Autors ein. Die Suchanfrage nach dem Buchtitel blieb leider erfolglos und ich kam ca. 4 Minuten vor Ladenschluss in den Genuss eines freien Rechners um mein Dokument auszudrucken. #Yay.

Währenddessen versuchte die Dame neben mir, die sich (wir erinnern uns) bei einer Bundesbehörde bewerben wollte, damit ab, ein Worddokument zu stylen. Im Copyshop! In Word! Ernsthaft! Nach mehreren Versuchen, Worte mittels Leerzeichen an die richtige Stelle zu manövrieren, statt Tabs, Tabellen oder was auch immer zu verwenden, entsprachen die Ausdrucke noch immer nicht dem gewünschten Format. Welche Überraschung. Während ich gerade mein PDF ausdruckte, fragte mich die Dame, ob ich wüsste, warum das auf ihrem Ausdruck merkwürdig aussähe. Ich fragte mich kurz, ob ich irgendein Namensschild angesteckt hatte, da ich offenbar von beiden Damen für einen Mitarbeiter des Ladens gehalten wurde und konnte nur erwidern, dass es in meinen Augen sinnvoller wäre, das Dokument zu Hause zu formatieren und in ein PDF umzuwandeln, weil es dann immer gleich aussähe, egal wo es gedruckt wird.

Nachdem meine Ausdrucke fertig waren, überließ ich die Dame ihrem Schicksal (und fragte mich insgeheim, was sie wohl bei „EDV-Kenntnissen“ in ihrer Bewerbung bei einer Bundesbehörde angegeben hatte), zahlte beim Mitarbeiter, der unterdessen die anderen Kunden auf eine sehr nachdrückliche Art und Weise darauf hinwies, doch bitte fertig zu werden, da die Uhr beinahe 16:00 Uhr zeige und verließ diesen Hort des Blöden Bösen.

Die Moral von der Geschichte? Ein eigener Drucker muss ins Haus.

Ein Buch, mich zu knechten (II)

Und es ist vollbracht! Ich habe Ayn Rands „Atlas Shrugged“ zu Ende gelesen, das Buch, neben dem selbst der Herr der Ringe wie eine Kurzgeschichte wirkt. Gut, das ist übertrieben, aber ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem so viel Text auf eine Seite gepresst wurde. Anfangs war das wirklich erschlagend, doch nun, nach Monaten des Lesens (ja, ich habe nicht allzu viel Zeit zum Lesen) kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat, die mehr als 1000 Seiten in winziger Schrift mental zu inhalieren.

Was ich anfangs für kaum möglich hielt, ist letztlich doch eingetroffen und hat mich motiviert, tiefer in Rands Kosmos einzutauchen: „Atlas Shrugged“ ist spannend. Spannend auf eine Art, die nichts mit Effekthascherei zu tun hat, sondern eher auf eine morbide Art. Der Niedergang der gesamten Menschheit wird auf eine schleichende und gemeine Weise beschrieben, die Machtlosigkeit gegen den Moloch der Gleichmacherei und das langsame Zusteuern auf eine Art großen Endkollaps sind bis zum Ende des Buches (und eigentlich auch darüber hinaus) tragende Motive. An einigen Stellen blitzen winzige phantastische Elemente durch, im Speziellen bei zum Schluss hin entwickelten Technologien. Aber ich will hier nicht rumspoilern.

Rands philosophischer Ansatz erscheint zunächst merkwürdig, stellt sie doch die Verfolgung eigener Interessen, die Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen und die totale Aufopferung für die eigenen Ziele als Ideale dar. Im Kontext des Buches und der darin geschilderten Welt stellen die Hauptfiguren wie Dagny Taggart oder Hank Rearden Archetypen des von Rand propagierten Menschenbildes dar, während der Rest der Menschheit (mit wenigen Ausnahmen) das Streben nach persönlichem Erfolg ablehnt. Zwar wird dieser Zustand von Rand im Verlauf der Handlung glaubhaft dargelegt, ist aber aus meiner Sicht selbst im pessimistischsten Blick auf unsere Welt schlicht unrealistisch. Es ist kaum vorstellbar, dass beinahe alle (!) Menschen sich einer Moral unterwerfen, in der die Bereitschaft zu persönlicher Leistung als böse und falsch abgelehnt wird. Ich hoffe das zumindest. Die übersteigert heroischen und moralisch sowie geistig überlegenen Figuren, die „Helden“, wenn man so will, stehen dabei sinnbildlich für den Menschen, den Ayn Rand als Idealbild ansieht. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass jemand nach den ersten dreihundert Seiten das Buch wieder zur Seite legt, weil die Charaktere schablonenhafte Abziehbilder sind und weil deren absolut geradlinige Handlungsweise völlig „unmenschlich“ ist. Die Helden kennen kein Zögern, keine Unsicherheit, nur entschlossenes, rationales und aufrechtes Handeln, welches letztlich auch fast immer zu einem furiosen Erfolg führt. Realitisch? Nein. Sinnvoll für die Handlung. Ja! Denn nur auf diese Weise gelingt es Rand, die Welt so darzustellen, wie sie sie sieht.

Das Ende des Buches überlässt es angenehmerweise dem Leser, sich selbst einen Reim darauf zu machen, was danach kommt. Alles andere hätte dem Werk dann wohl endgültig die Pathos-Krone aufgesetzt, daher finde ich es gut, dass Rand hier nicht weiter ins Detail gegangen ist.

Ein gewaltiges Buch ist dieses „Atlas Shrugged“, soviel steht fest. Eine absolute Empfehlung kann ich indes nur demjenigen aussprechen, der sich auf ein extrem umfangreiches und teils nur mühsam voran kommendes Buch einlassen will. Wenn man es dann aber geschafft hat, hinterlässt „Atlas Shrugged“ einen bleibenden Eindruck.

Einen positiven, bei mir.