Elfen in der Kita?

Letztens haben wir eine Kita besichtigt, in die Helena (so Gott will) vielleicht irgendwann gehen wird. Nett eingerichtet, gute Lage und schön dekoriert, soweit alles super. Beim Streifzug durch die Räumlichkeiten fielen mir des öfteren mit den Namen der Kinder beschriftete Kisten, Taschen und Schränke auf. Nicht ungewöhnlich für eine Kita, schließlich soll man schnell wissen, welche Tasche welchem Kind gehört.

Das eigentlich Merkwürdige waren vielmehr drei der Namen, die mir da vor die Augen kamen. In der Kita wurden also tatsächlich die kleine „Arwen“ und der kleine „Atreyu“ sowie der kleine „Ozzy“ betreut. Kein Scherz! Es handelt sich dabei nicht etwa um Spitznamen, sondern die Kinder heißen allen Ernstes so. „Arwen“ geht ja noch, ist ein sehr schöner Name, der allerdings direkt mit dem Herrn der Ringe verbunden ist. „Atreyu“, der Name des phantasischen Helden aus Die unendliche Geschichte, geht hingegen gar nicht. Egal welchen Nachnamen die Familie hat, das ist einfach lächerlich. Über „Ozzy“ muss ich wohl nichts weiter sagen. Solange die Familie nicht Osbourne heisst, sollte man das einfach lassen.

Aber genug gelästert. Diese Namen sind mir immer noch tausendmal lieber als die hunderten Justins, Kevins und Chantals, die vermutlich in den nächsten Jahren die Grundschulen bevölkern werden.

Kheryha jetzt gay friendly!

Es gibt ja Dinge, die so selbstverständlich sind, dass ich nicht erwarte, explizit darauf hingewiesen zu werden. Dazu gehört auch das neuerdings immer öfter bei Hotels zu findende Prädikat „gay friendly“. Ohne dass ich davon irgendwie betroffen wäre, wollte ich wissen, was sich dahinter verbirgt…und hab mal ein wenig gegoogelt. Rausgefunden habe ich, dass das Prädikat „gay friendly“ darauf hinweist, dass ein Hotel Schwule und Lesben willkommen heisst, indem man diesen dort explizit das Gefühl gibt, ganz normal zu sein. Irgendwie unspektakulär, oder? Ich hatte in meinem Optimismus vorausgesetzt, dass ein freundlicher und normaler Umgang mit schwulen oder lesbischen Menschen sowieso völlig selbstverständlich ist, ohne dass man darauf gesondert hinweisen müsste. Da lag ich wohl falsch…

Aus diesem Grunde erkläre ich dieses Blog ab sofort auch für „gay friendly“, kostet ja nix. (Selbstverständlich waren mir schwule oder lesbische Leser/-innen auch vorher schon genauso lieb wie alle anderen.)

Die Kraft der Überzeugung…

…oder: Wie man sich selbst eine Krise schafft.

Zur Genüge wurde es bereits vor seinem Beginn multimedial breitgetreten, das Krisenjahr 2009. Banken gehen pleite, die Wirtschaft stirbt und all das reißt jeden Einzelnen mit in den Abgrund…oder etwa doch nicht?

Auch wenn es auf diesem Blog selten wissenschaftlich zugeht, möchte ich hier einmal auf eine Theorie verweisen, die dieser Tage vielleicht einige interessante Erkenntnisse zur Wirtschafts-/Finanz-/Bankenkrise gewährt. Das Thomas-Theorem besagt, dass wenn Menschen eine Situation (oder eine Sache) als „real“ definieren, auch deren Folgen (bzw. darauf zurückgeführte Ereignisse) „real“ sind bzw. werden.

Wenn also genügend Menschen davon überzeugt sind, dass eine Wirtschaftskrise ausgebrochen ist und dementsprechend handeln (Sparen, Geld von den Banken abholen, Konsum einschränken), dann geschieht auch genau das, nur verschränken sich Ursache und Wirkung dann auf sonderbare Weise. Ereignisse, die mit der als „real“ definierten Situation in Zusammenhang gebracht werden (egal, ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht!), werden als logische Konsequzenzen der vermeintlich realen Situation angesehen. Von dort bis zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung ist es nicht mehr weit.

Ich fühle mich derzeit nicht von der Wirtschaftskrise betroffen, aber wer weiß…was nicht ist, kann ja noch werden.

Notwehr 2.0

Interessanter Artikel, den die Netzeitung hier bringt. Jemand gesteht den Mord an zwei Menschen und wird dennoch freigesprochen. Gibt´s nicht, denken Sie? Gibt´s doch…in Spanien.

Notwehr, soso. Ich steche also jeweils 35-mal bzw. 22-mal auf Personen ein, die sich offenbar nicht gewehrt haben und definiere das dann als Notwehr. Als Ausrede Argument brachte der Täter die Angst vor einer (homosexuellen) Vergewaltigung und anschließender Ermordung. Was letzteres angeht, schloss der Täter offenbar von sich auf andere. Einen Freispruch hätte ich bei einer mehrheitlich aus weiblichen Geschworenen bestehenden Jury nicht erwartet. Jemand der in Notwehr handelt, hätte vermutlich nach dem ersten Messerstich Reißaus genommen, statt in einen wahren Blutrausch zu verfallen und zwei (vermutlich) Unschuldige in Raserei niederzumetzeln. Anders kann man das wohl kaum bezeichnen. Derartige Gewaltexzesse lassen ausgebrochenen Hass als Tatmotiv vermuten, ich bin aber kein Profiler, insofern ist das keine fundierte Expertise.

Ich selbst habe zwar noch nie auf einen Menschen eingestochen, aber ich stelle es mir als recht komplexen Akt vor, immer und immer wieder die Messerklinge in einen Körper zu rammen. Von einer schnellen Affekthandlung in Notwehr kann dabei kaum die Rede sein.

Ist es dann auch Notwehr, wenn ich einen der aufdringlichen Scheibenputzer am Mehringdamm mit meinem Auto vorsätzlich überfahre, weil ich Angst vor einer Infektion mit Krankheiten habe? Oder vor Car-Jacking? In Spanien vielleicht, hierzulande wäre es wahrscheinlich gefährliche Körperverletzung mit Tötungsabsicht oder sowas. Ich will mich hier nicht über den anscheinend existierenden Hass auf Homosexuelle in Spanien auslassen, das deutet die Netzeitung in ihrem Artikel an, aber ein solches Urteil in einem EU-Land finde ich höchst befremdlich und erschreckend.

Gefeuert wegen 1,30 €

Das geht gerade durch die Presse, sämtliche Medien greifen den Fall auf. Allerorten wird darüber diskutiert, ob die Kündigung fair/gerechtfertigt oder ungerecht/gemein ist, das Medieninteresse scheint enorm.

Dabei frage ich mich, warum eigentlich? Wenn ich als Kunde bei Kaiser´s eine Packung Kaugummi im Wert von sagen wir 0,70 € klaue und erwischt werde, kriege ich eine Anzeige wegen Diebstahls verpasst. Zu Recht! Unterschlägt eine Angestellte Geld, wird sie gekündigt. Zu Recht, wie auch gerade vom Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg bestätigt wurde. Vertrauensverhältnis hin oder her, es ist und bleibt Diebstahl.

In diesem Zusammenhang wird Kaiser´s nun unterstellt, auf diesem Wege ein mißliebige Angestellte, die noch dazu in der (Skandal!) Gewerkschaft engagiert war, loszuwerden. Ja, nach den Spionage-Geschichten um Lidl & Co. kann ich mir das sogar ganz gut vorstellen. Nun ist Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft aber (zum Glück) nicht strafbar und stellt somit keinen Kündigungsgrund dar. Diebstahl/Unterschlagung hingegen schon. Wen wundert´s da, dass Kaiser´s hart (vielleicht zu hart) durchgreift? Bei so einer Steilvorlage muss sich die Betroffene in der Tat nicht wundern, wenn sie schneller gekündigt ist, als sie „Gewerkschaft“ sagen kann.

Dumm gelaufen.

Krise? Welche Krise?

Eben noch das Schlagwort des ausgehenden Jahres und plötzlich scheint die von allen Seiten beschworene Finanzkrise vergessen.

Samstag, 13.12.2008, in einem großen Berliner Einkaufszentrum am Alexanderplatz: Hunderte von Konsumzombies wanken durch den in Weihnachtskitsch ertränkten Shopping-Tempel und werfen das Geld mit vollen Händen raus. Media Markt hat Fernseher im Angebot! Aha, schnell hin und die letzten paar Kröten, die der Moloch „Finanzkrise“ übrig gelassen hat, unters Volk gebracht. Von Konsumverweigerung oder gar einer vorsichtigen Sparsamkeit keine Spur, im Gegenteil, wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit erbringen die Konsumenten einmal mehr den Beweis, dass Sprit, Strom und Zigaretten offenbar noch immer nicht teuer genug sind. Statt Rezession regiert der Kaufrausch. Hauptsache raus mit den Scheinen!

Nun sind es keineswegs die Besserverdiener, die hier die Fuffies rumschmeißen. Eher im Gegenteil, die Hälfte der Konsumberauschten meint man kürzlich noch in einer diese irgendwie allgegenwärtigen „Mir-gehts-so-schlecht“-Betroffenheitsreportagen auf RTL, Sat.1 oder Pro7 gesehen zu haben.

Vielleicht waren die Gagen für die Interviews so reichlich, dass dadurch das Weihnachtsshopping finanziert werden konnte? Oder halt…vielleicht ist das ganze Gerede auch absoluter Blödsinn nur ein Mittel, um die Bevölkerung zu manipulieren? Ich denke nur an diese ganzen „Ich-bin-HartzIV-und-hab-nix-zu-fressen“-Geschichten, wo immer so getan wird, als wäre der Staat verpflichtet, ungebildeten Arbeitsverweigerern unschuldig in Not geratenen Menschen bis an ihr Lebensende ein angenehmes Leben zu finanzieren.

Was ist mit Studenten? Die bekommen Bafög, wenn sie Glück haben, und müssen dieses zumindest anteilig zurückzahlen. Dabei sind wenigstens diejenigen, die ihr Studium erfolgreich abschließen, später als Steuerzahler für den Staat interessant. Ganz im Gegensatz zur „Generation-HartzIV“, die ihre Bezüge nicht zurückzahlen muss und aller Voraussicht nach dem Staat auch niemals etwas zurückgeben wird.

Wenn es also eine echte und jeden betreffende Krise gibt, dann spielt sie sich in der Wahrnehmung von Zuständen in unserem Land ab.