Review: „Dead Space 3“

Sicher ist es nicht einfach, heutzutage Computerspiele auf den Markt zu bringen, die restlos jeden Spieler und insbesondere Rezensenten begeistern. Mal wird eine platte Story moniert, mal sich über Stagnation in der Weiterentwicklung einer Spieleserie gemeckert. Trotzdem verkaufen Titel wie die Call of Duty-Reihe Millionen Exemplare, weil es einfach genügend Spielern immer noch gefällt.

Dead Space 3, jüngster Sproß der Weltraum-Horror-Reihe, zeigt eine Weiterentwicklung, präsentiert seine (trotzdem nicht gerade oskarreife) Handlung sehr intensiv und hat mich im ersten Durchlauf mehr als 18 Stunden lang durch futuristische Städte, finstere Raumschiffkorridore, eine Eiswüste und zuletzt durch eine gigereske Alienstadt gehetzt. Alles nur, um die Menschheit vor dem sicheren Untergang zu retten.

httpv://www.youtube.com/watch?v=Ld0DndM2IFs

Dabei stellt Dead Space 3 in meinen Augen die logische Weiterentwicklung dar: weniger nervenzerfetzender Grusel, mehr Action, eine auf den Höhepunkt zusteuernde Story, eine leichte Vercasualisierung und die Integration von DLCs. Nach dem sehr düsteren ersten Teil, der angeblich vielen Spieler zu gruselig war, um ihn bis zu Ende zu spielen, war Dead Space 2 etwas bunter und etwas weniger horrorlastig. Teil 2 präsentierte seine Geschichte bereits wesentlich gekonnter als der erste Teil, besonders Protagonist Isaac bekam deutlich mehr Substanz. Der dritte Ableger nun führt die Entwicklung weiter. Es gibt noch immer genügend gruselige Sequenzen, bei den Schauplätzen regiert noch mehr als zuvor die Abwechslung und wem es zu einfach ist, darf gern z.B. den „Pure Survival“-Modus ausprobieren. Durch den kämpfe ich mich gerade und ja, das ist Horror. Gegner lassen keine Munition und Medipacks mehr fallen. Durch diesen simplen Kniff spielt sich DS3 wieder wie echter Survival-Horror. Rüste ich meine Waffe auf, oder kaufe ich lieber mehr Munition und Medipacks? Habe ich genügend Ressourcen, um bis zum nächsten Waffenterminal durchzuhalten? Hach, das fühlt sich ähnlich gemein an wie das erste Dead Space. Also nicht meckern, einmal durchspielen und dann die freigeschaltenen Modi probieren. Die sollten auch für die ganze Harten eine Herausforderung sein.

Dass der Rezensent bei SpOn offenbar nur schnell durch das Spiel gehastet ist, um eine halbgare Wertung abzugeben, wird angesichts völlig deplatzierter Kommentare wie „Welt retten? Aber nur, wenn es unbedingt sein muss.“ deutlich. Isaac ist fertig mit der Welt nach den Ereignissen in DS1 und 2. Er will nicht mehr seine körperliche und geistige Gesundheit riskieren, um eine Menschheit zu retten, die kollektiv in den Wahnsinn und ins Verderben stürzt. Er hat aufgegeben. Bis eines Tages Typen vom Militär in seine Wohnung eindringen und ihn mehr oder weniger zwingen, ihnen zu helfen. Immerhin geht es um Ellie, bekannt aus Dead Space 2. Soviel zur durchaus nachvollziehbaren Motivation und gleichzeitig zum „Leckt mich doch alle“-Gefühl Isaacs.

Natürlich muss Dead Space 3 sich Kritik gefallen lassen. Das Spiel ist deutlich heller ausgefallen als seine Vorgänger. Wo es in denen einfach teilweise komplett duster war, gibt es in DS3 immer wenigstens eine schummrige Beleuchtung. Und ja, die Eisplaneten-Ausflüge erinnern eher an Lost Planet als an Dead Space. Hätte DS3 deshalb wieder nur auf Raumschiffkorridore setzen sollen, um das Feeling der Vorgänger einzufangen? Nein. Wer das Spielgefühl der Vorgänger möchte, soll bitte diese spielen. Dass es nun einen vereinheitlichten Munitionstyp für alle Waffen gibt (da sonst das Crafting total sinnlos wäre) stört mich weniger. Ärgerlich hingegen finde ich, dass selbst auf „Hard“ derart viel Munition und Medipacks herumliegen bzw. gedropt werden, dass ich nicht ein einziges Mal (!) etwas davon kaufen musste. Kein Vergleich zu DS1 und 2, wo das Taktieren mit der Munition Hauptbestandteil der Spannung war. Aber wie gesagt, dafür gibt es dann z.B. den „Pure Survival“ Modus.

Auf die hin und wieder eingestreuten Minispiele hätte ich gut verzichten können. Gefühl zwanzig Containerpaare zusammenfummeln, damit das Ladedock frei ist? Laaangweilig. Sicherungen verschieben, um Türen zu öffnen? Naja, geht so. Dabei hat DS3 auch seine großen Momente. Wenn man wie am Ende von Teil 2 von einem sich stetig wieder regenerierenden Monster verfolgt wird, parallel weitere Necromorph abwehrend muss und endlose Sekunden auf das Eintreffen der Schwebebahn warten muss, während von allen Seiten Monster auf einen einströmen … puh, das fördert die Adrenalinproduktion. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu empfänglich dafür und alle anderen sind so hart, dass denen das nicht mal ein müdes Lächeln auf die Hardcore-Zockervisagen lockt.

Das Bauen eigener Waffen macht viel Spaß, auch wenn die hochwertigen Schießprügel derart viele Ressourcen verschlingen, dass man sie sich im ersten Durchlauf bzw. ohne Echtgeldeinsatz kaum wird leisten können. Die Eigenbauvarianten, die ich mir selbst zusammentackern konnte, bieten sehr viel mehr Vielfalt als die Waffen in den Vorgängern. Wäre das Bastelmenü nicht merkbar auf eine Gamepadsteuerung ausgelegt, würde das sogar noch mehr Spaß machen.

Die vom SpOn-Autor kritisierte dünne Geschichte schließt die Story in meinen Augen gut ab. Natürlich werden hier Klischees bedient, das war ja bereits im ersten Teil (einsamer Held gegen Monsterhorden, Visionen, Twist am Ende, Verrat kurz vor Schluss) der Fall. Aber da ja kaum jemand Teil 1 durchgespielt hat, weiß das natürlich auch niemand. Kleiner Scherz.

Alles in allem finde ich Dead Space 3 sehr gut gelungen. Auf die DLCs verzichte ich, genauso wie auf das Ausgeben von Echtgeld für Ressourcen. Gern kann Visceral Games weitere Spielmodi nachliefern. Gegen den hohen Actionanteil habe ich grundsätzlich nichts (es ist manchmal schon sehr befreiend, 200 Schuss aus einer Chaingun in ganze Horden anstürmender Zombies zu ballern), aber der zaghafte Versuch, aus DS3 einen Deckungsshooter á la Gears of War zu machen, haut überhaupt nicht hin. Klappt nicht gut, macht keinen Spaß. Hab ich kaum verwendet. Generell empfand ich die Kämpfe gegen die menschlichen Widersacher als aufgesetzt und nicht gut gelungen. Darauf kann in etwaigen Nachfolgern, Prequels, Addons oder was auch immer gern verzichtet werden.

8/10 Punkten. Die Vorgänger sind klar besser, aber der dritte Teil ist ingesamt immer noch ein tolles Spiel.

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