In der Wüste der Wirklichkeit

Auch wenn das Genre der (Ego-, Third Person-, was-auch-immer)Shooter nicht unbedingt dafür bekannt ist, große Geschichten zu erzählen, gibt es doch hin und wieder Ausnahmen. „Spec Ops – The Line“ ist so eine. Hinter dem vermeintlich wenig spannenden „gute-Soldaten-suchen-den-Bösewicht-und-wollen-ihm-ans-Leder“-Plot steckt eine gemeine Geschichte, die sich langsam und intensiv entfaltet.

Spieltechnisch ein Third-Person-Shooter mit Deckungssystem im vergleichsweise unverbrauchten Wüstenszenario Dubais, kommt das Spiel grafisch hübsch (Unreal-Engine), aber spielerisch nicht sonderlich komplex daher. Die Charakterzeichnung und -entwicklung ist indes sehr gut gelungen. Irgendwann gibt es dann eine Sequenz, die wirklich für einen Kloß im Hals sorgt, selbst bei mir, der spielerische Fiktion und Realität für gewöhnlich gut trennen kann. Puh, das ist intensiv. Die Kamera bleibt dabei gefühlt minutenlang auf das Gesicht des Hauptcharakters gerichtet, dem man ansehen kann, was das Geschehene mit ihm macht. Im Laufe des Spiels wird der körperliche und seelische Verfalls deutlich, die Aggressionen innerhalb des Squads kochen hoch, die Handlungen Walkers werden brutaler, bis am Schluss… naja, das kann ich hier nicht verraten, aber die letzten Sequenzen von „Spec Ops – The Line“ bleiben im Gedächtnis, soviel kann ich sagen. Hurra-Patriotismus und Heldentum gibt es in diesem Spiel nicht. Vielmehr wird deutlich, dass die Linie zwischen Gut und Böse nicht immer eindeutig gezogen werden kann und dass die Dinge oft nicht so sind, wie sie erscheinen. Gutes Spiel, allein schon weil es beweist, dass linearer Shooter und dicht erzählte Geschichte einander nicht ausschließen müssen. Die letzten Levels sind angenehm fordernd und wenn man das Ende (bzw. die Variationen des Endes) gesehen hat, will man gleich noch mal loslegen und mehr auf Details achten. Davon gibt es nämlich einige, die erst beim zweiten Durchlauf auffallen.

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