Kurzreview: „Hellraiser – Revelations“

Nur wenige Horrorfilme haben das Genre wohl so mitgeprägt wie die Hellraiser-Reihe. Die ersten beiden Teile sind absolute Klassiker, sowohl was Stimmung und Härte als auch Make-Up-Effekte angeht. Die Szenen mit Julia, die komplett ohne Haut durch die Gegend läuft (Hellraiser II – Hellbound) finde ich noch heute absolut beeindruckend. Die Cenobiten rund um Oberhaupt Pinhead, die Puzzlebox und natürlich Ketten, Haken, auseinander gerissene Menschen und diverse Oneliner wie „Wir haben die Ewigkeit, um Dein Fleisch kennen zu lernen“ machen das Flair der Filme aus.

Nach den fantastischen ersten beiden Teilen folgte mit „Hellraiser – Hell on Earth“ ein dritter, der neben einer sehr ansehnlichen Terry Farrell zumindest ein wenig Cenobiten-Action und ein paar nette Ideen bot. Die dann folgenden Teile 4 bis 8 schwankten zwischen „ganz okay“ und „total überflüssig“. Nun steht also Teil 9 in der Videothek und natürlich habe ich mir den angeschaut.

httpv://www.youtube.com/watch?v=orWK-QlPSfg

Ja, ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Dieses neuste Machwerk ist wahrlich eine Ausgeburt der Hölle, denn vieles wird hier so schlecht gemacht, dass man weinen möchte. Der Found-Footage-Stil am Anfang ist Geschmacksache und wird in den Rückblick-Zwischensequenzen auch nicht konsequent durchgezogen, was immens an der Glaubwürdigkeit kratzt. Viel schlimmer indes ist der neue Pinhead, da Doug Bradley in „Revelations“ nicht mehr den Pinhead geben wollte. Leider. Lächerlich, bestenfalls ist der neue Oberdämon. Der Schauspieler versucht durch ans Komische grenzendes Overacting gruselig zu wirken, was nicht mal mit Nägeln im Kopf gelingt. Dazu spricht Pinhead nun nicht mehr mit grollend tiefer, leicht verfremdeter Stimme, sondern wie ein normaler Mensch. Das macht besonders die deutsche Synchro zu einem wahren Graus, im Englischen ist es zumindest erträglich.

Die Geschichte bedient sich großzügig an Elementen der Teile 1 und 2, besonders die Geschichte mit dem „Du musst für mich Menschen töten, damit ich wieder leben kann“ und der gestohlenen Haut erinnern schon sehr an die Handlung der alten Klassiker. Noch dazu ist die Szenerie sehr begrenzt, außer dem Ausflug nach Mexiko spielt der gesamte Film in einem abgelegenen Haus irgendwo im Nichts. Praktisch.

Naja, zum Ende hin werden ein paar Menschen von den Cenobiten gemeuchelt, das alles wirkt jedoch wie eine sterile Hochglanzaufnahme und hat überhaupt gar nichts mehr von der ekeligen Düsternis und dem dreckigen Gesplatter der alten Filme. Wenn ich an die Szenen auf dem Dachboden im ersten Teil denke, boah, das war noch finster. Dagegen wirkt „Revelations“ wie ein Kindergeburtstag. In der Hölle immerhin.

Auf dem Cover prangt dickt das „Uncut“-Logo, was eigentlich hoffen ließ, dass hier mehr böses Rumgeschlitze zu erwarten wäre. Fehlanzeige, leider. Wobei natürlich das Gore-Level nicht alles ist, aber wenn schon die Dämonen lächerlich wirken, sollte wenigstens ein wenig Härte vorhanden sein. So bleibt ein über weite Strecken einfallsloser und schlaff inszenierter Film, der nun hoffentlich auch endlich das Ende dieses Ausschlachtens einer bekannten Reihe darstellt.

Fast wünscht man sich, dass die Produzenten solcher Filme eines Morgens eine kleine Puzzlebox auf dem Nachttisch finden und den unbezähmbaren Drang verspüren, sie öffnen zu wollen. Aber nur fast.

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