Und sie bewegt sich doch. Nicht.

Ja, also was dieser Galilei da erzählt, von wegen „die Erde bewegt sich“, das lehne ich ab. Ja, ich weiß, dass eine solche Aussage streitbar ist.

So ähnlich klingt in meinen Ohren, was unser aller Lieblingsfamilienministerin Kristina Schröder von sich gibt, wenn sie sagt:

Beispielsweise lehne ich die These von Simone de Beauvoir ab, die sagt, dass Mädchen nicht als Mädchen geboren werden und Jungen nicht als Jungen, sondern dass erst die Gesellschaft sie dazu macht. Dass eine solche Aussage streitbar ist, ist mir klar.

Äh, ja. Oder: nein! „Streitbar“ ist das absolut nicht. Vielmehr disqualifiziert es Frau Schröder für den Posten, den sie derzeit innehat. Natürlich redet Simone de Beauvoir nicht vom biologischen Geschlecht, sondern vom sozialen. Dass dieses (es wird ja nicht umsonst „soziales Geschlecht“ genannt) durch die geschlechtsspezifische Sozialisation eines jeden Einzelnen hervorgebracht, reproduziert und damit von Generation zu Generation (leider immer noch) beinahe unverändert weiter getragen wird, scheint Frau Schröder abichtlich zu ignorieren nicht zu wissen. Es passt ja den erzkonservativen Kräften in CDU und CSU auch kaum ins Weltbild, dass die seit Jahrhunderten propagierten Unterschiede zwischen Mann und Frau seit einigen Jahrzehnten zu schwinden drohen.

Jeder darf und soll eine eigene Meinung haben. Aber ich finde es äußerst befremdlich, wenn die Familienministerin (!) Ansichten aus dem (gefühlten) Mittelalter vertritt. Was meint sie denn, wenn sie de Beauviors These ablehnt? Dass Frauen und Männer nicht nur biologisch (denn darüber will wohl kaum jemand streiten), sondern auch sozial „von Natur“ aus unterschiedlich sind? Dass Frauen nun mal an den Herd und Männer mit der Keule in den Wald gehören? Wie kann man denn auf der einen Seite überhaupt für so etwas wie eine Frauenquote sein und gleichzeitig implizieren, dass es so etwas wie soziale Gleichheit zwischen Mann und Frau gar nicht gibt? Ich versteh´s nicht. Aber wahrscheinlich bin ich einer aus den „bestimmten Ecken“, von denen die Kritik kommt. Selbstverständlich steht die Mehrheit hinter Frau Schröder. Denkt sie.

Ich hoffe es nicht.

 

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Ein Gedanke zu “Und sie bewegt sich doch. Nicht.

  1. Ich glaube/hoffe, dass diese Frau für diesen Posten völlig ungeeignet ist, ist inzwischen bei sehr vielen angekommen. Man kann ja echt nur immer wieder den Kopf schütteln über unsere Familieministerin..

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