Hach, was zieh ich nur an?

Nicht dass ich Uniformen nichts abgewinnen könnte, aber im beruflichen Alltag finde ich reglementierte Dresscodes nicht nur antiquiert, sondern einfach unglaublich hemmend. Was bei Soldaten, Polizisten oder Feuerwehrmännern sinvoll sein mag, da diese bestimmte Gruppen mit speziellen gesellschaftlichen Aufgaben darstellen und daher als eben diese Gruppen erkannt werden sollen, erscheint mir im Arbeitsleben wie ein unsinnige Maskerade und Gleichmacherei. Schön den Menschen das Denken abnehmen, bloß keinen Funken Individualität erlauben…tolles Konzept. Nicht.

Niemand kann mich glauben machen, dass ein Anzugträger qualifizierter oder in irgend einer Weise besser für eine Aufgabe geeignet sein soll, als jemand, der rumläuft wie ich. Klar, darum geht´s ja auch nicht, es sollen vielmehr die Klischees und Schubladen der Menschen bedient werden, die einem Bankangestellten nur über den Weg trauen, wenn der mindestens ein Sakko trägt. Naja, was hat´s gebracht in den USA, dass all die gut gekleideten Banker ihren Kunden das Geld anderer Leute gegeben haben, so lange, bis das ganze Kartenhaus zusammenbrach? Qualifikation sieht man nicht am Äußeren, Charakter und Persönlichkeit unter Umständen schon. Manchmal zumindest.

Dabei bin ich niemand, der darauf besteht, mit Kajal, Lidschatten und schwarzem Nagellack auf Kundentermine gehen zu müssen, ich gehe dabei sehr wohl Kompromisse ein, weil ich um das Übel des Klischeedenkens weiß. Mir persönlich wäre das scheißegal, ob ein Kunde mich für für schwul, nekrophil, irre oder eine Kombination daraus hält, leider (?) verdiene ich mein Geld aber mit Projekten, die die Firma auch bekommt. Dazu muss ich sagen, dass es bei uns sehr locker zugeht, was Kleidungsvorschriften angeht, aber wiederum auch nicht soooo locker, dass ich rumlaufen könnte, wie ich würde, wenn man mich ließe. Naja, irgendwas ist halt immer. Das Schlimme daran ist, dass man sich daran gewöhnt, Kompromisse einzugehen. Warum eigentlich?

Ich habe jedenfalls schon viele Anzugträger kennengelernt, von denen mir keiner im Gedächtnis geblieben ist, weil gerade das, was man sich an Menschen merken würde, durch die Uniformierung verborgen wird. Es wird wohl noch einige Generationen dauern, bis endlich alle erkannt haben, dass die Maskerade für keine Seite von Vorteil ist, weil der eine sich dahinter versteckt und der andere nicht hinter die Fassade schauen kann. Ich beneide die Leute, die einen Job haben, in dem individuelles Styling nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht ist. Schlimm hingegen ist die Aussage: „Du, von mir aus ist das kein Problem, aber die Kunden…“. Was soll das denn heißen? Entweder es gibt ein klares Statement oder nicht, aber sowas heißt für mich, dass jemand nicht zugeben will, dass ihn das Styling abschreckt oder irritiert, statt hinter dem Mitarbeiter zu stehen und den Look abseits des Mainstreams positiv als Eyecatcher und erinnerungswürdig einzusetzen.

Ich kann jedenfalls aus eigenem Erleben bestätigen, dass eine Kombination aus optischer Auffälligkeit UND fachlicher Kompetenz eine äußerst gut Kombination ist, wohingegen ein Anzugträger trotz guter Kompetenz eher in Vergessenheit gerät, weil da eben nichts persönliches an dessen Aussehen ist.

Von daher: Her mit dem wilden Styling! Konventionen sind dazu da, überwunden zu werden.

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